"Wir waren Heldinnen"
Wie Frauen den Fußball eroberten (2024/2025)
Rezension: "Wir waren Heldinnen"
Wiebke PorombkaDass Frauen in Fankurven stehen oder Reporterinnen am Spielfeldrand, ist mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. Auch Frauenfußball kann zunehmend auf eine breite öffentliche und mediale Aufmerksamkeit zählen. Was hingegen nur wenigen bekannt ist, ist die Geschichte des Frauenfußballs, die im Ost- wie Westdeutschland der Nachkriegsjahre ein Kampf gegen Widerstände war – nicht nur gegen den Unmut von Männern, die die Fußballdomäne lieber für sich allein reklamieren wollten, sondern gegen handfeste Verbote. 1955 untersagte der DFB Frauenfußball-Abteilungen in seinen Vereinen, weil Fußballspielen und Frauen – angeblich – unvereinbar seien: denn "Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand".
Der Autor und Dokumentarfilmer Torsten Körner erzählt in seinem Buch ‚"Wir waren Heldinnen‘. Wie Frauen den Fußball eroberten" von jenen, die sich diese Restriktionen nicht gefallen lassen wollten und die trotz aller Hindernisse an ihrer Leidenschaft für den Fußball und das Fußballspielen festhielten. Pionierinnen wie Helga Noll, Ingrid Marschak, Christa Kleinhans oder Bärbel Wohlleben, die 1974 von den Zuschauern der ARD-Sportschau als erste Frau für ein "Tor des Monats" ausgezeichnet wurde.
Körner beleuchtet mit seiner glänzenden recherchierten und durch Interviews mit den Protagonistinnen ergänzten Kulturgeschichte des Frauenfußballs nicht nur eine vernachlässigte Episode der Sporthistorie. "Wir sind Heldinnen" erzählt darüber hinaus ein Stück Emanzipationsgeschichte aus einer überraschenden Perspektive. Und nicht zuletzt zeigt dieses Buch, wie sich die Zeitgeschichte in den Fußball eingeschrieben hat: Denn natürlich zeugt die Abwehr vieler Männer gegen fußballspielende Frauen auch von einer Nachkriegsgeneration, die nur auf dem Platz – ähnlich wie auf den Tribünen – ihren im Alltag unterdrückten Emotionen freien Lauf lassen konnten. Frauen wurden da offenbar als störend empfunden – ließen sich das aber zum Glück nicht einreden.