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Nominiert Fußballbuch 2025

Piksi-Buch

(2024/2025)
Nominiert zum  Fußballbuch des Jahres 2025 
Voland & Quist
Verlagsinfo www.voland-quist.de
12,00 Euro
9783863914240

Rezension: Piksi-Buch

Danny Neidel
von Danny Neidel

Barbi Markovićs "Piksi-Buch" ist ein literarischer Sololauf – temporeich, pointiert und zutiefst berührend. Dabei klingt der Roman wie eine leidenschaftliche Fußball-Reportage, geprägt von hoher sprachlicher Geschwindigkeit. Marković deckt schonungslos auf, wie das Vokabular der Sportberichterstattung sich oft mit dem Tonfall kriegerischer Narrative vermischt. Und genau darin liegt eine Stärke des Buches: Es nimmt Fußball als Kulturgut ernst – nicht als Mythos, sondern als Projektionsfläche.

Gleichzeitig erzählt das „Piksi-Buch“ die sehr persönliche Geschichte eines Mädchens auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Die Autorin verarbeitet eigene Erfahrungen aus ihrer Kindheit in einer fiktiven, aber stark autobiografisch geprägten Erzählung. Barbi, acht oder neun Jahre alt, will im Belgrad der frühen 1990er nicht nur ihrem Vater gefallen – sie will überleben in einer Welt, die zwischen Fußballreligion, Zerfall des Staates Jugoslawien und familiärer Zerrüttung keinen Platz für kindliche Unsicherheit lässt. Der Vater ist präsent und gleichzeitig abwesend – er erwartet Loyalität, Härte, Siegeswillen. Die Tochter antwortet mit Fantasie, Rückzug und einer Mischung aus Gehorsam und subversivem Witz.

Das Erzählerinnen-Ich reflektiert, beobachtet, analysiert sich selbst und die eigene Geschichte. Humor und Leichtigkeit durchziehen auch die ernsten Passagen. Marković gelingt es, Absurdität und Melancholie mit Leichtigkeit zu verbinden. Man hört die Stimme der Erzählerin denken, zweifeln, improvisieren – fast wie beim Live-Kommentar eines Spiels, das nie ganz zu greifen ist.

Hinzu kommt die gestalterische Raffinesse: Das Buch erinnert mit seiner Aufmachung an ein Pixi-Buch – klein, handlich, scheinbar harmlos. Doch der Schein trügt. Der Inhalt ist vielschichtig, politisch, poetisch. Hinter "Piksi" – dem Spitznamen von Fußballlegende Dragan Stojković – verbirgt sich ein Symbol für eine ganze Epoche, für die Idealisierung von Helden, für ein männlich dominiertes Weltbild, gegen das die junge Barbi leise, aber klug anschreibt.

Warum sollte nun genau dieses Buch ausgezeichnet werden? Weil es mutig, anders, literarisch stark und raffiniert ist. Weil es Fußball nicht verklärt, sondern fein seziert. Und weil es das macht, was große Literatur kann: Persönliches erzählen, das universell berührt. Dieses Buch ist ein Dribbling gegen die Erwartungen. Und trifft mitten ins Herz.

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