NominiertFußballbuch 2022

Alles geben

Warum der Weg zu einer gerechteren Welt bei uns selbst anfängt (2021/2022)
Nominiert zum  Fußballbuch des Jahres 2022 

Rezension Alles geben. Warum der Weg zu einer gerechteren Welt bei uns selbst anfängt

Jörn Petersen / kicker
Jörn Petersen

Neven Subotic hat seine Biografie verfasst, es soll aber eigentlich ein Appell sein. Ein 272-seitiger Appell, mehr aus seinem Leben zu machen, vor allem aber aus dem Leben anderer.

Obwohl er es am Ende selbst zur "Illusion", zum "endlosen Rennen" erklärt, ist "alles geben" für Subotic mehr als eine Floskel, die an jedem Bundesliga-Wochenende mindestens einmal fällt, sie ist sein Lebensinhalt. Sprachlich nicht immer auf Champions-League-Niveau, dafür umso authentischer beschreibt er das Leben eines Getriebenen, der stets das Optimum anstrebt, mehr tun will als die anderen - so wie es sein Vater predigte, der "mit Härte liebte", wie es Subotic reichlich euphemistisch nennt.

Subotic, der als Kind mit seiner Familie vor dem Jugoslawienkrieg nach Deutschland und später vor der plötzlich drohenden Abschiebung in die USA flieht, gibt buchstäblich alles: erst beim Fußball, der ihm früh Titel mit Borussia Dortmund, aber auch ein deprimierend-oberflächliches Privatleben beschert, dann bei seinem Drang, die Welt gerechter zu machen.

Aus einem orientierungslosen Neureichen ("Wo war der Sinn? Warum wird von Fußballern nicht mehr erwartet?") wird der rastlose Gründer und Motor einer Stiftung, die Brunnen in Ostafrika baut - nicht nur um die "Scham" zu tilgen, mit der er auf die Jahre aus Partys, Autos und One-Night-Stands zurückblickt, sondern weil er sich sicher ist, auf diese Weise maximal nachhaltig maximal viele Menschen maximal unterstützen zu können.

"An Fußballspielen habe ich kein Interesse mehr, schon lange nicht mehr", schreibt der heute 33-Jährige, der bis vor einem Jahr noch Profi war. Seinem Buch merkt man es an: Am Ende weiß die Leserin, der Leser nicht, wie Subotic die WM 2010 oder das Champions-League-Finale 2013 erlebte, dafür umso mehr über die Bedeutung von Wasser und die Bräuche äthiopischer Gemeinden - und ist dankbar dafür.

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