Stadien als Lernorte – Eine britische Idee wird europäisch

Akademiemitglied Birger Schmidt hat zunächst beim Fanprojekt Berlin gearbeitet, bevor er beim British Council anfing. Aus England hat er die Idee mitgebracht, Stadien als Lernorte für Jugendliche zu nutzen. Mittlerweile leitet er seit 2015 den Verein Lernort Stadion. Im zweiten Teil des Europa-Interviews mit Anja Bühling erklärt Birger Schmidt die Entwicklung des Projekts, die Unterschiede zum Ideengeber England und welche Pläne es für Europa gibt. Außerdem erzählt er, wie es sich für ihn angefühlt hat, mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande für seine Arbeit ausgezeichnet zu werden.

(Das Interview wurde im Februar 2020 geführt. Im ersten Teil geht es um das 11mm-Festival und die Fußballfilm-Landschaft in Europa)

Fußball und Europa: Drei Fragen - drei Antworten von Birger Schmidt

Europäischer Fußball: An welches Spiel denkst Du am liebsten zurück?

Es gab ein Spiel, ich glaube, das war im Viertelfinale Landesmeister-Pokal (17. März 1976) – man muss dazu sagen, ich bin 1. FC Köln-Fan und habe mit Borussia Mönchengladbach nichts am Hut – aber mein bester Freund ist Gladbach-Fan und im europäischen Fußball haben wir uns viel gegönnt. Gladbach ist damals mit einer der allerübelsten Schiedsrichterentscheidungen ausgeschieden gegen Real Madrid – Van der Kroft hieß der Schiedsrichter aus Holland. Gladbach hat herausragend gespielt mit Henning Jensen und Alain Simonsen damals und sie sind ausgeschieden und in der nächsten Runde ist Real Madrid auf Bayern München gestoßen – Bayern München mag ich genauso wenig wie Borussia Mönchengladbach – aber ich hab‘ mich riesig gefreut, dass Bayern Real geschlagen hat, ich war damals ein 12-jähriger Junge. Das ist eines der allerallerschönsten europäischen Erlebnisse, die ich hatte. Ich war Bayern-Fan an dem Tag, ich wollte, das Gladbach gerächt wird und das als Köln-Fan (lacht) – das ist schon ganz skurril, aber so ist es.

Die Fußball-Europameisterschaft 2020 verfolge ich…

…mit großer Wahrscheinlichkeit hauptsächlich in Berlin. Aber, vielleicht auch in Budapest ein Spiel.

Was wünschst Du Dir für Europas Zukunft?

Für Europas Zukunft wünsche ich mir, dass ganz viele kreative Programme entstehen, bei denen gezeigt wird, dass es toll ist, über die Landesgrenzen hinaus zu denken. Ich wünsche mir ganz viele Begegnungen. Ich wünsche mir für meine Töchter, dass sie viele Länder auf diesem tollen Kontinent bereisen. Ich denke nach wie vor, dass es ein Riesenprivileg ist, auf diesem Kontinent groß geworden zu sein und ich habe so viele tolle Freundschaften hier schließen können und hoffe, dass das möglichst vielen Menschen auch gegeben ist, das zu machen.