Hertha unterm Hakenkreuz

Wie sich die Hertha dem Dritten Reich angepasst hat, zeigt die Untersuchung von Daniel Koerfer. Nominiert für das Fußballbuch des Jahres 2009 - mit Rezensionen von Dr. Markwart Herzog und Ludger Schulze

Daniel Koerfer

Hertha unterm Hakenkreuz - Ein Berliner Fußballclub im Dritten Reich

ISBN 978-3-89533-644-7
Verlag Die Werkstatt 2009
Preis: 19,90 €, 288 Seiten

Wie sich die Hertha dem Dritten Reich angepasst hat, zeigt die Untersuchung von Daniel Koerfer (Historiker FU Berlin). Verlagsinfo

Rezension von Dr. Markwart Herzog
Im November 2009 erschien im Online-Historiker-Fachforum H-Soz-u-Kult eine Sammelrezension von Dr. Markwart Herzog über Daniel Koerfers Hertha unter dem Hakenkreuz und Anton Löffelmeiers Die "Löwen" unterm Hakenkreuz.

 

Deutscher Fußball-Kulturpreis 2009
Nominierung zum Fußballbuch des Jahres

von Ludger Schulze (SZ)

1975 geißelte der Tübinger Professor Walter Jens in seiner Rede zum 75-jährigen Jubiläum des Deutschen Fußball-Bundes die Verantwortlichen des Verbandes, weil sie sich der Beschäftigung mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit konsequent verweigerten. Das Weggucken und Stillhalten blieb eiserne Haltung für ein weiteres Vierteljahrhundert. Dann aber, 60 Jahre nach Kriegsende, stellte sich der Verband endlich seiner Vergangenheit und beauftragte den Historiker Nils Havemann mit einer Studie zur Verbandsgeschichte. Bei der Vorstellung des Buches „Fußball unterm Hakenkreuz“ sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger: „Es hat sich gezeigt, dass wir keine Widerstandskämpfer waren“, und bekannte, dass seine Vorgänger „das Mörderische des Systems verkannt haben“.

Seitdem sind mithilfe von Vereinen etliche Werke herausgegeben worden, die den Titel „... unter dem Hakenkreuz“ trugen. Das jüngste und wohl beste ist im Frühjahr 2009 auf den Markt gekommen: „Hertha unter dem Hakenkreuz“. Der Historiker Daniel Koerfer hat es verstanden, die Geschichtsdaten des Berliner Vereins mit tief bewegenden, oft beklemmenden Schicksalen einzelner Beteiligter zu verweben. Mit den Schicksalen strammer Nazis, kleiner Mitläufer, innerer Widerständler und jüdischer Vereinsmitglieder, die in Auschwitz ein schreckliches Ende fanden.

Hertha BSC begehrte keineswegs offen gegen die Nazis auf, aber die Herkunft aus dem roten Arbeiter-Stadtteil Wedding sorgte dafür, dass zumindest der Kern des Vereins in diesen braunen Zeiten blau blieb. Der Zwangsarbeiter und spätere holländische Nationalspieler Bram Appel, der in den letzten beiden Kriegsjahren mit behördlicher Sondergenehmigung viele Tore im Stadion am Gesundbrunnen schoss, kam aus eigener Anschauung zu diesem Fazit: „Hertha war kein Nazi-Klub.“

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