Von der Lochzange zum Handscanner

Reizthema "Personalisierte Tickets"

Kommt es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen beim Fußball, dann ertönt regelmäßig die Forderung, doch „endlich“ eine Personalisierung der Eintrittskarten einzuführen. So etwa nach dem Spiel der deutschen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft 2016 gegen die Ukraine, bei dem deutsche Hooligans in der Innenstadt von Lille ukrainische Fans angriffen – wohlgemerkt im öffentlichen Raum.

Aktuell ist der Bundesligist Eintracht Frankfurt durch das Sportgericht des DFB mit einer solchen Auflage belegt. Der Verein muss für die gesamte Rückrunde alle Karten für seine Auswärtsspiele personalisieren. In den vergangenen Jahren ging es Hansa Rostock (2010, 2012, 2015), dem 1.FC Köln (2015) und Dynamo Dresden (2011, 2016) bereits ähnlich – jeweils begleitet von kontroversen Debatten.

So wird etwa der hohe Aufwand in Frage gestellt, der nicht nur für den ‚bestraften‘ Klub und seine Fans besonders hoch ist, sondern ebenfalls für den jeweils gastgebenden Verein. Denn diesem obliegt die Kontrolle der Personalien an den Eingängen ihres Stadions. Die Erfahrungen der WM 2006 – als alle Tickets personalisiert waren, aber kaum kontrolliert wurden – zeigt, dass dieser Aufwand auch die Effektivität der Maßnahme in Frage stellt. Kritische Stimmen beklagen zudem unverhältnismäßige Einschnitte in die Grundrechte der Besucher*innen. Durch die Personalisierung würden sie unter Generalverdacht gestellt.

Die organisierten Fans haben sich daher bereits mehrfach gegen personalisierte Tickets ausgesprochen, auch aus den Reihen der Vereine wird diese Maßnahme zunehmend kritisiert. Polizei und Politik halten dagegen weiterhin an ihrer Forderung fest. Die Standpunkte der Beteiligten stehen sich vielerorts unversöhnlich gegenüber, die Positionen scheinen festgefahren.

Mit der Veranstaltung wollen wir versuchen, die Auseinandersetzung wieder auf die Sachebene zu bringen. Es geht darum, möglichst viele Fakten zu sammeln und im Folgenden das Thema von mehreren Seiten zu beleuchten: Welche Ziele sind mit einer Personalisierung der Eintrittskarten verbunden? Wie wird diese Maßnahme konkret umgesetzt? Erhöht sich dadurch die Sicherheit oder sind gegenteilige Effekte zu beobachten? Welche Auswirkungen gibt es über den konkreten Spieltag hinaus? Wie wird es in anderen Ländern gehandhabt, gibt es Beispiele, von denen wir in Deutschland lernen können?

 

Zu diesen Fragen wollen wir ins Gespräch kommen mit:

Daniela Wurbs – ehemalige Geschäftsführerin von Football Supporters Europe (FSE)

Jürgen Lankes – Leiter der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS)

Markus Mau – Leiter Schalker Fanprojekt

Helmut Spahn – Präsident Kickers Offenbach, ehemals Sicherheitschef des WM OK 2006

Henning Schwarz – Vorstand Fan- und Förderabteilung Eintracht Frankfurt

Moderation: Christoph Ruf – freier Journalist und Autor

 

Veranstalter sind die Koordinationsstelle Fanprojekte bei der dsj (Frankfurt) (KOS) und die Deutsche Akademie für Fußball-Kultur (Nürnberg).

Die Veranstaltung ist die erste in der Reihe "Fußball I Fan I Kultur im Gespräch", mit der die Akademie und die KOS Themen rund um den Fußball und seiner Fankultur aufnehmen und zur Diskussion stellen wollen.

19.12.2016
19 Uhr
Frankfurt/Main
Haus am Dom
Eintritt frei
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