Jürgen Klopp
Walther-Bensemann-Preisträger 2025
Begleittext zur Preisverleihung 2025 ( zum Video):
Es gebe viele Trainer, hat Jürgen Klopp einmal gesagt, die Titel sammeln. „Aber ich sammle Beziehungen.“ Ein Satz aus nur vier Worten, doch mit so viel Substanz, dass er womöglich schon genügt, um das Faszinosum Klopp zu erklären. Sehr wohl hat der am 16. Juni 1967 in Stuttgart geborene Fußballlehrer auch Titel gesammelt. Zwei Deutsche Meisterschaften und einen DFB-Pokalsieg mit Borussia Dortmund. In England mit dem FC Liverpool ebenso Liga-Trophäe und den Cup. Sowie 2019 mit den Reds sogar Champions League, UEFA-Supercup und Klub-Weltmeisterschaft. Und doch spürt jeder, der sich Klopp nähert: Der eigentliche Erfolg dieses Mannes bewegt sich außerhalb messbarer Parameter.
Klopp, der sich 2015 in Liverpool als „the normal one“ vorstellte, ist natürlich alles andere als das. Vielmehr ist er einer wie keiner. Jedoch auf eine Art, die Augenhöhe vermittelt zu den Menschen, die seinen Weg kreuzen. Am Rosenmontag 2001 machte ihn der Mainzer Manager Christian Heidel im Handstreich vom Zweitliga-Spieler zum Cheftrainer. „Kloppo“ war plötzlich Boss und musste doch auch Kumpel bleiben. Ein Mix, den Klopp beibehielt, während dem närrischen Berufseinstieg eine Weltkarriere folgte.
Der Trainer Klopp war immer extrem fordernd. Doch er setzte dabei nicht auf Druck von oben, sondern auf Leidenschaft von innen heraus. Seine Spieler zu ermächtigen, die beste Version ihrer selbst zu sein und als Team mehr als die Summe der Einzelnen, das war stets unverkennbar Klopps Antrieb. Ganz so, wie es auch in der Würdigung anlässlich der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 2024 zum Ausdruck kommt: „Erfolg und Ruhm haben ihn nie davon abgebracht, sich jedem einzelnen Sportler zuzuwenden und in ihm den Menschen zu sehen.“
Die Herzen berührt der Fußball immer dann, wenn Einzelne und eine Gemeinschaft über sich hinauswachsen. Der Fußballlehrer Klopp hat seinen Spielern und Mannschaften dazu regelmäßig verholfen. Dank eines Einfühlungsvermögens, von dem er auch dann nichts eingebüßt hat, als er selbst objektiv betrachtet schon ganz oben angekommen war. Klopp ist längst ein Star und hat sich gleichwohl die besten Tugenden eines Underdogs bewahrt.
Schon das macht ihn zu einem Brückenbauer. Konkret zwischen der vom Turbokapitalismus getriebenen Hochglanz-Welt des modernen Spitzenfußballs und den Amateursportplätzen – auf denen Klopp übrigens auch als Head of Global Soccer von Red Bull noch anzutreffen ist beim Stelldichein mit alten Bekannten.
Dass ihn der Schritt ins von einem Konzern unterhaltene Fußballimperium Sympathien kosten und gar in ein Kreuzfeuer der Kritik rücken würde, konnte Klopp sich vorher ausmalen. Gegangen ist er ihn trotzdem. Es ist der wohl beste Beleg dafür, dass dieser Volksheld es tatsächlich ganz und gar nicht darauf anlegt, von Außenstehenden idealisiert zu werden. Außerdem war das Konstrukt Red Bull in seinen Augen „immer eine Fußball-Idee und keine Geld-Idee“. Klopp nimmt sich die Freiheit, es so zu sehen. Und sich zugleich weiterhin als „Fußballromantiker“ zu definieren.
Was Klopp direkt mit der Mentalität Walther Bensemanns verbindet, ist sein erfrischender Sinn für die humorvollen Aspekte des so oft so überhöhten Fußball-Geschäfts. Als Trainer und als Person der Öffentlichkeit kultiviert er individuellen Stil. Doch gerade dieser persönliche Zugang fügt sich nahtlos in ein größeres Bild: Immer von Bedeutung ist der kulturelle, völkerverbindende Wert des Fußballs, für den Klopp ganz im Sinne Walther Bensemanns immer bewusst einstand. Unmittelbar durch sein neunjähriges Engagement als Trainer in England, für das er 2019 offiziell zum Deutschen Fußball-Botschafter ernannt und vom Bundespräsidenten als „populärster Deutscher in Großbritannien“ hervorgehoben wurde. Entscheidend und allemal preiswürdig offenbart sich in diesem Kontext Klopps Haltung bei der täglichen Arbeit: „Unterschiedlichste Kulturen auf einem Level und im Dienste einer gemeinsamen Sache – so wie eine Fußballkabine sollte eigentlich die ganze Welt aussehen.“
Thiemo Müller