Helmut Schön. Eine Biografie

Nachholtermin: Siegerlesung zum Fußballbuch des Jahres

Bernd-M. Beyer wurde im vergangenen Oktober der Preis für das Fußballbuch des Jahres 2017 verliehen. Trotz Bestseller-Konkurrenz auf der Short-List befand die hochkarätig besetzte Jury Beyers Biografie über den legendären Bundestrainer Helmut Schön, einst von Schlagers-Star Udo Jürgens als „Mann mit der Mütze“ besungen, für preiswürdig. Und dies gleich aus mehreren guten Gründen.

Helmut Schön fegte das Defensivspiel von der Taktiktafel und erfand den Hochgeschwindigkeits­fußball.“ (Ludger Schulze in der Süddeutschen Zeitung)

Helmut Schön ist bis heute, ungeachtet der prominenteren Amtskollegen Herberger, Beckenbauer oder Löw, der erfolgreichste Bundestrainer aller Zeiten. In seine Ägide fielen Titel bei der EM 1972 und der WM 1974. Eine von Schöns größten Leistungen war es, eine selbstbewusste junge Generation von Fußballstars um Netzer, Beckenbauer, Müller oder Breitner dem Geist der Epoche gemäß Mitsprache und Teilhabe zu ermöglichen. Aller Kritik zum Trotz gaben ihm die sportlichen Erfolge recht.

Schöns Lebenslauf liest sich aber auch wie eine personifizierte deutsche Geschichte. Gebürtig 1915 in Sachsen erlebte Schön als Fußballer beim Dresdner SC zwischen 1933 und 1944 Erfolge als Nationalspieler und zweifacher Deutscher Meister. Nach Kriegsende betreute er die neuformierte Nationalmannschaft der DDR. Das damals noch unabhängige Saarland führte er durch die WM-Qualifikation 1954. Schließlich wurde er Assistent unter dem mythischen Sepp Herberger, zu dem Schön über Jahrzehnte ein von Animositäten geprägtes Verhältnis pflegte.

Und es war Schön, der die Nationalmannschaft zu Beginn der Ära des „modernen Fußballs“ zu Titelehren und durch das „Jahrhundertspiel“ gegen Italien 1970 in Mexiko führte sowie 1972 die spielstärkste Nationalmannschaft aller Zeiten zur „Wembley-Elf“ formierte. Ein Leben für den Fußball – vor dem Spiegel der bewegten Historie unseres Landes.

Bernd-M. Beyer arbeitete viele Jahre lang als verantwortlicher Lektor beim Göttinger Verlag „Die Werkstatt“ und prägte in dieser Zeit die deutschsprachige Fußball-Literatur maßgeblich. 2003 veröffentlichte er einen viel beachteten biografischen Roman über den Fußballpionier und Gründer des „Kicker“, Walther Bensemann. Bereits 2008 belegte er mit „Der König aller Sports“, einer Sammlung der besten Glossen Bensemanns, Platz vier bei der Wahl zum Fußballbuch des Jahres. Beyer ist Mitglied der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur.

Veranstalter: Deutsche Akademie für Fußball-Kultur in Kooperation mit Stadtbibliothek Nürnberg

22.02.2018
19:30 Uhr
Nürnberg
Zeitungs-Café Hermann Kesten
Peter-Vischer-Str. 3/ Eingang neben Katharinenruine, Nürnberg
5,00 Euro
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