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Ultras' Paradise

Platz 3  easyCredit-Fanpreis 2020 

Markus Urban und Ingmar Reither haben ein alternatives Hygienekonzept für Fans im Stadion ersonnen. In ihrer Fußball-Utopie errichten sie eigenständige und isolierte Fan-Siedlungen, deren Bewohner*innen bis zum Ende der Saison keinerlei physischen Kontakt zur Außenwelt haben dürfen.

Mit der Fußball-Utopie "Ultras' Paradise" bewerben sich Markus Urban und Ingmar Reither um den mit bis zu 5.000 Euro dotierten easyCredit-Fanpreis 2020. Bewerbungen waren bis zum 31. August 2020 möglich. Alle Informationen zur Teilnahme am Wettbewerb "Fußball-Utopie des Jahres"

Ultras' Paradise (von Markus Urban und Ingmar Reither)

30.07.2022 Frankfurt 

Kommt das Ende der Geisterspiele? Zuschauer im Stadion sind wohl bald wieder möglich. Ein detailliertes Konzept gibt dafür konkrete Rahmenbedingungen vor.

Gut sechs Monate ist es nun her, dass die Weltgesundheitsorganisation zum Jahresende 2021 auch den letzten der fünf bisher zugelassenen Impfstoffe gegen das neuartige CoronaVirus für "zu unsicher wegen häufiger, schwerer Nebenwirkungen" erklärte.

Eine von der DFL eingesetzte Expertenkommission versuchte seitdem in nichtöffentlichen Gesprächen mit Repräsentanten der Bundesliga-Vereine, Fan-Vertretern, den Fernsehrechte-Inhabern und den zuständigen Regierungsbehörden eine Lösung für die zentrale Zukunftsfrage des Profifußballs in Deutschland zu finden: Wie können unter den Bedingungen der Pandemie, die möglicherweise auf Jahrzehnte hinaus unseren Alltag beeinträchtigen wird, wieder Fußballspiele vor Zuschauern in den 18 Stadien der Bundesliga ausgetragen werden?

Obwohl nur wenig über den Verlauf der Gespräche nach außen drang, schwanden die Hoffnungen auf eine Einigung zuletzt rapide. Kurz vor Beginn des Endrundenturniers der Champions League wurde zudem bekannt, dass mindestens zehn Bundesligisten eine weitere Saison ohne Stadionbesucher wirtschaftlich nicht überstehen würden. Dabei ist es ein offenes Geheimnis, dass die fehlenden Erlöse aus dem Eintrittskartenverkauf gar nicht das eigentliche Problem darstellen. Vielmehr ist es die fehlende Stimmung in den Stadien, die den Clubs am Ende den Todesstoß versetzen könnte.

"Unsere Zuschauer haben die Geisterspiele einfach satt" sagte DAZN-Geschäftsführer de Buhr vergangene Woche. Mit den zuletzt stark rückläufigen Zahlen bei Neuabonnenten und sinkenden Einschaltquoten begründete er auch das um 50% reduzierte Gebot seines Senders für die Übertragungsrechte für die Saison 2022/2023.

Überraschend konnte in den Verhandlungen um die Wiederzulassung von Zuschauern im Stadion vergangene Woche aber doch noch ein Durchbruch erzielt werden. Die Vertreter des Gesundheitsministeriums und des Innenministeriums, an deren Veto alle vorherigen Lösungsansätze gescheitert waren, haben bereits ihre Zustimmung signalisiert.

Das neue Konzept basiert auf einem gemeinsamen Strategiepapier mehrerer überregional kooperierender Fan-Gruppen, das den Arbeitstitel Ultras' Paradise trägt. Im Kern sieht es die Errichtung einer völlig eigenständigen, von der jeweiligen Stadtgesellschaft getrennten Fan-Siedlung in unmittelbarer Nähe der 18 Bundesliga-Stadien vor. Um die Auflagen der Gesundheitsbehörden zu erfüllen, dürfen deren Bewohner bis zum Ende der Saison im Juni 2023 (bei Teilnehmern der europäischen Wettbewerbe: bis maximal August 2023) keinerlei physischen Kontakt zur Außenwelt unterhalten.

Da die Bewerbungsphase für Interessenten bereits in der nächsten Woche beginnen soll, beantworten wir hier die wichtigsten Fragen:

Wer kann sich bewerben?
Alle Fans der 18 Bundesligisten im Alter zwischen 18 und 65 Jahren. Voraussetzung ist ein Gesundheitszeugnis sowie die Bereitschaft, vor dem Einzug in die Fan-Siedlung eine zweiwöchige Quarantäne zu absolvieren.

Wie viele Plätze stehen in den Fan-Siedlungen zur Verfügung?
In der neuen Saison können in jeder Stadt kurzfristig bis zu 2.500 Plätze besetzt werden. Ab der Saison 2024/25 soll die Kapazität auf 5.000 pro Stadion erhöht werden. Schon jetzt zeichnet sich allerdings je nach Standort eine sehr unterschiedliche Nachfrage ab. Während etwa auf den Geschäftsstellen von Borussia Dortmund und Schalke 04 bereits am ersten Tag hunderte Anfragen eingingen, meldeten die TSG Hoffenheim und der 1. FC Heidenheim bisher nur Interessenbekundungen "im niedrigen zweistelligen Bereich."

Wie werden die Fans untergebracht?
Alle 18 Fan-Siedlungen sollen zunächst in Form eines Containerdorfes gebaut werden. Ab der Saison 2024/25 wird dieses dann durch eine Fertighaussiedlung mit vierstöckigen Modulen ersetzt. Die Areale können so je nach Bedarf sukzessive baulich erweitert werden.
Entstehen den Fans für den Aufenthalt in der Fan-Siedlung Kosten? Nein. In der Abmachung zwischen den beteiligten Interessenvertretern ist ein gemischtes Finanzierungsmodell für die Fan-Siedlungen vorgesehen: Der größte Teil der Kosten wird aus den Fernsehgeldern finanziert. Die Rechteinhaber garantieren dabei die ursprünglich für die Saison 2019/2020 gezahlten Erlöse bis zum Ende der Saison 2025/26 weiter (inklusive Inflationsausgleich). Sponsorengelder werden für den Etat genauso zur Verfügung stehen wie Mittel aus einem Fonds, der durch einen 5-prozentigen Gehaltsverzicht der Spieler finanziert wird.

Erhalten die Bewohner der Fan-Siedlung eine Aufwandsentschädigung?
Ja. Derzeit ist ein monatliches Grundhonorar von 1.200 EUR vorgesehen. Dazu kommt kostenloses Wohnrecht in der Fan-Siedlung sowie freie Verpflegungin der Kantine.

Über welche Infrastruktur werden die Fan-Siedlungen verfügen?
Neben einer Kantine wird es in allen Fan-Siedlungen eine medizinische Grundversorgung (inklusive Zahnarztpraxis) geben. Ein Supermarkt, Restaurants, Sportkneipen, eine Bibliothek und Fitnessbereiche werden ebenfalls zur Verfügung stehen. Angedacht sind zudem eine Mehrzweckhalle für Versammlungen und Feiern sowie eigene Werkstätten zur Produktion von Fanartikeln und eine Brauerei.

Welche Verpflichtungen gehen die Fans ein?
Die Fans können zunächst einen 1-, 3- oder 5-Jahresvertrag für die Fan-Siedlung unterschreiben. 3- und 5-Jahresverträge sind mit einem höheren Grundhonorar sowie mit zusätzlichen Privilegien und Pflichten verbunden. So werden etwa die Vertreter des Selbstverwaltungsgremiums der Fan-Siedlung nur aus den Unterzeichnern eines 5-Jahres-Vertrags gewählt. Alle Bewohner verpflichten sich, die 17 Bundesliga-Heimspiele ihrer Mannschaft zu besuchen (bei Fernbleiben besteht Attestpflicht) und sie dabei lautstark zu unterstützen. Hinzu kommen evtl. weitere Heimspiele in DFB-Pokal, Supercup, Europa League und Champions League. Die Teilnahme an der Vorbereitung von Stadionchoreografien sowie an den Chorproben für Fangesänge ist obligatorisch.

Die meisten Bundesligisten planen derzeit, eine tägliche Reality-Doku in der Fan-Siedlung zu produzieren und sie über den vereinseigenen TV-Sender auszustrahlen. Die Bereitschaft zur aktiven Mitwirkung an diesem Format wird für alle Bewohner Teil ihrer vertraglichen Pflichten sein.

Dürfen die Bewohner die Fan-Siedlung verlassen?
Nein. Der Vertrag der Bewohner erlischt beim eigenmächtigen Verlassen der Fan-Siedlung mit sofortiger Wirkung. Eine Rückkehr ist dann nicht mehr möglich.

Können die Fans die Auswärtsspiele ihrer Mannschaft besuchen?
Ja. Zu jedem Auswärtsspiel fahren zehn Busse (unter Einhaltung der Hygieneregeln, d.h. ohne Zwischenhalt) mit einer Kapazität von insgesamt 500 Plätzen. Plätze hierfür werden bevorzugt an Fans mit 3- und 5-Jahresverträgen vergeben.

Ist es möglich, in der Fan-Siedlung einer zusätzlichen Erwerbsarbeit nachzugehen?
Ja. Die Bewohner können in der Fan-Siedlung im Home-Office einer Arbeit nachgehen, wenn sie möchten. Sie können sich aber auch intern anstellen lassen, um eine der zahlreichen anfallenden Arbeiten vor Ort zu erledigen. Hierzu gehören Aufgaben im Stadion (Gastronomie, Platzpflege, Ordnerdienst etc.) sowie für die zahlreichen Aufgaben und in der FanSiedlung selbst.

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