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Fußball-Utopie von Sebastian und Patrick Brune

Sebastian und Patrick Brune wollen die horrenden Summen des kommerzialisierten Fußballs umleiten. In ihrer Fußball-Utopie beschreiben sie, wie soziale und ökologische Projekte aus der Region von den Transferausgeben der Profi-Clubs profitieren.

Mit ihrer Fußball-Utopie bewerben sich Patrick und Sebastian Brune um den mit bis zu 5.000 Euro dotierten easyCredit-Fanpreis 2020. Bewerbungen waren bis zum 31. August 2020 möglich. Alle Informationen zur Teilnahme am Wettbewerb "Fußball-Utopie des Jahres"

Fußball-Utopie (von Patrick und Sebastian Brune)

Es ist mehr als mühselig alle Gelder zu begrenzen und kontrollieren, die in den Fußball gelangen. Denn neben den TV-Geldern, deren gleiche Auszahlung ohne Verteilungsschlüssel zwar dringend umzusetzen ist, doch ohne weitere Maßnahmen am Charakter des Profi-Fußballs nichts ändern wird, gelangen noch zahlreiche weitere Gelder zu den einzelnen Clubs. Denn einen Großteil der Gelder erhalten Vereine nicht nur durch TV-Gelder, sondern auch durch Sponsoring, sei es durch einen Investor oder Firmen. Das Financial Fairplay versucht zwar für ein wenig finanzielle Gerechtigkeit unter den Vereinen zu sorgen, doch es erscheint so, als käme das Geld immer trotz größter Anstrengungen– sei es durch legale Investoren oder über dubiose überbezahlte Sponsorenverträge – zu den größten im Fußball. Man sollte also nicht verhindern, dass unbegrenzt Geld an die Vereine gelangt, sondern, viel wirksamer ist es zu verhindern, dass die Vereine unbegrenzt Geld ausgeben können.

Um dies zu tun sind zwei Aspekte elementar: Auf der einen Seite eine Gehaltsobergrenze nach amerikanischem Vorbild und auf der anderen Seite eine progressive Steuer auf Ablösesummen.

Die Gehaltsobergrenze sollte aber nicht, wie teilweise gefordert wird, an der Begrenzung des Gehalts von Einzelspielern orientiert sein, sondern an der Summe, die ein Verein für Spielergehälter maximal ausgeben darf. Solch eine Gehaltsobergrenze hätte nur wenig Effekt, denn auch so wäre es möglich, dass Großclubs die besten Spieler aller Mannschaften aufkaufen und die nationalen Ligen dominieren. Stattdessen gibt es für jeden Verein eine Begrenzung, wie viel er pro Jahr für Spielergehälter ausgeben kann. Der Unterschied zum amerikanischen Modell - man sieht das Konzept des Salary Caps ist keineswegs ein sozialistisches, nein, es kommt aus dem Land des Kapitalismus – ist, dass auch Spielerberaterhonorare mit einbezogen werden. Somit senken sich automatisch die horrenden Beraterbezüge, denn welcher Verein möchte schon einen Großteil seines Budgets für Berater statt für Spielergehälter ausgeben? Die Höhe dieser Begrenzung müsste noch geklärt werden. Klar ist aber, dass sie, um zu greifen, einige Klubs zwingen lässt ihre Gehaltslisten zu reduzieren und weltweit oder europaweit gilt. Um die Homogenität nicht nur der Top 5 Ligen Europas zu gewährleisten, kann es auch niedrigere Gehaltsobergrenzen geben. Eine niedrigerer Salary Cap ist daher ohne Probleme wählbar (beispielsweise für "kleinere" oder tiefere Ligen), der weltweite Salary Cap ist somit nur eine Obergrenze. Doch die Gehaltsobergrenze ist keine "harte Grenze!", es ist möglich mehr für Spielergehälter auszugeben. Allerdings wird jeder weitere Euro, den man über dem Salary Cap liegt in progressiver Art und Weise stärker besteuert, ähnlich der Luxury tax in der NBA. Bei der Festlegung von Steuersätzen und Beginn dieser gilt: Je höher der Salary Cap, desto höher die Besteuerung.  

Ähnlich sieht es bei Ablösesummen aus. Auch hier müssen Verein Steuern zahlen, wenn sie hohe Ablösen bezahlen. Die Grenze sollte hier allerdings schon deutlich früher ansetzen, mehr Vereine treffen und für alle Ligen in Europa gelten. Die kumulierten Ablösesummen von Vereinen einer Transferphase werden progressiv besteuert. Beispiel: Hat man insgesamt 75 Millionen Euro auf dem Transfermarkt ausgegeben, muss man 24 Millionen Euro Steuern zahlen. Die Abgaben werden nach Steuerklassen besteuert. Die Einnahmen werden nicht berücksichtigt. Es empfiehlt sich, damit Amateurclubs nicht zu sehr belastet werden, ein Freibetrag von einem niedrigen fünfstelligen Betrag und einen anfangs sehr niedrigen Steuersatz, der nur sehr langsam ansteigt und sich erst bei mehreren Millionen sich entfaltet. 

Die Art der Besteuerung, sowohl der Ablösesummensteuer als auch des Salary Caps, ist allerdings spezialgelagert. Denn anders als normalerweise, bekommt das Geld nicht der Staat, es wird aufgeteilt. 

Die eine Hälfte wird in nicht profitable soziale oder ökologische Projekte gesteckt, hierüber dürfen die Vereine selbst verfügen. 50 % der gesamten Steuersumme bleibt folglich beim Verein, er ist allerdings verpflichtet sie in soziale, gerne auch sportbezogene Projekte seiner Wahl zu spenden. Somit kann der SC Freiburg seine "Steuern" in den Ausbau und Erhalt des Nationalparks Schwarzwald stecken, während Hertha BSC Projekte gegen Rassismus fördert. Fußballvereine müssen sich also sozial engagieren und haben dadurch auch eine Möglichkeit Profil, abseits des Rasens zu gewinnen. Dieser Aspekt macht den Sport nicht nur ausgeglichener (er zieht Geld aus den Vereinen raus, die besonders viel ausgeben können) und fair, nein, es stärkt auch die Akzeptanz der Zivilgesellschaft, da man sich nicht mehr über horrende Ablösesummen und Spielergehälter aufzuregen braucht, schließlich kommen sie indirekt einem selbst zugute. Doch nicht nur die Gesellschaft, auch die Vereine profitieren. Einmal von der neuen Akzeptanz und auf der anderen Seite von der Möglichkeit sich ein Gesicht zu verschaffen und sich in der eigenen Heimat zu verwurzeln. So werden auch die Wünsche von Fußball-Romantikern erfüllt, die sich wünschen, dass mehr Leute ihren lokalen Profivereinen zujubeln, anstatt lediglich Bayern München und Borussia Dortmund, schließlich tun die Vereine der Stadt, in der man lebt, etwas Gutes. Zusammengefasst: Es entsteht eine neue Verbindung zwischen Fans, Stadt und dem Verein.

Die andere Hälfte erhalten die nationalen und regionalen Verbände zur Förderung von Projekten. Amateurvereine können Gelder beantragen, beispielsweise für eine Tribüne oder die Bezahlung von Trainern, Städte, für Bolzplätze oder andere Angebote, die die Gesellschaft und besonders die Jugend geistig und körperlich fit hält. Dies ist auch deshalb hilfreich, da so besonders die Regionen gefördert werden können, in denen Profi- Fußballclubs weit entfernt sind. 

Das Geld aus dem reich bezahlten Profifußball findet somit einen Weg zur Basis, dem Amateurfußball, dort wo der Fußball lebt und der die Herkunft der meisten Spieler darstellt. Ohne die Kleinvereine, welche überall im Land zu finden sind, wäre Profifußball undenkbar. Diese Abgaben sind lediglich eine Art Rückgabe an den Amateurfußball, stärkt dessen Erhalt und somit auch den Erhalt des Profifußballs selbst. Das gleiche Argumentationsschema greift bei den sozialen Projekten der Vereine, denn ohne Zivilgesellschaft und Fans gäbe es keinen Profifußball, niemand könnte mit seinem Sport Geld verdienen. Gelder von den Spitzen der Fußballbranche an die Gesellschaft und den Amateurfußball weiterzugeben ist daher nur recht und billig.

Diese Fußball-Utopie sieht daher auch eine stärkere Beteiligung der Fans vor.  Denn sie treiben den Fußball an und wollen mitentscheiden und können langfristig nicht mit Pappaufstellern und Fangesängen aus der Dose ersetzt werden. Mindestens 20 % der Sitze im Aufsichtsrat sollten von Fanvertretern eingenommen werden, die durch Vereinsmitglieder und Fans gewählt werden, die mindestens 50 % der Heimspiele besucht haben. Diese Fanvertreter sollten auch außerhalb des Aufsichtsrates zu Rate gezogen werden, besonders wenn es um die Verteilung der Gelder an soziale und ökologische Projekte aus den Steuern für Ablösesummen und Gehälter geht oder etwa verträgliche Stadionpreise für Verein und Fans.

In dieser Utopie gleichen sich die Verhältnisse im Profisport an und machen ihn gerechter, ohne dass er seinen Wettbewerbscharakter verliert. So lässt sich ohne große Kontrollgremien der Fußball regulieren. Denn auch mit einem großen Investor und großen Sponsorenverträgen lassen sich nicht alle Spieler zusammenkaufen, bei zu großen Ausgaben muss man Steuern zahlen. Gleichzeitig werden die Vereine auch stärker an ihre Fans gebunden und engagieren sich stärker sozial. Anstatt enorme Summen für Berater aufzuwenden, wird dieses Geld beispielsweise in Sportplätze für alle investiert. Denn somit wird der Fußball nicht nur ausgeglichener, nein, Gelder werden umgeleitet und "sinnvoller" verwendet.

Diese Maßnahmen greifen alle ineinander und führen insgesamt jeweils zu einem ausgeglichenen Sport, der Senkung von Gehältern und Ablösesummen, hierdurch erfüllen auch mehr Spieler ihren Vertrag. Große Clubs können es sich schlicht nicht leisten alle besten Spieler kaufen, so lässt sich der drohende europäische Hochadel und "Meisterschaftsabonnements" verhindern. Sind Vereine dennoch gewillt derart viel Geld auszugeben, kann man langfristig Geld aus dem Club herausschöpfen, sodass es der Gesellschaft und dem Amateurfußball zugutekommt, ohne die hochbezahlter Profisport überhaupt erst nicht möglich wäre. Durch das Einbinden der Clubs in die soziale Verantwortung entsteht ein neues Verhältnis zwischen Fans, Stadt und Club, dass für alle bereichernd ist. Für einen Fußball, der sich engagiert und sowohl fair, ausgeglichen, sozial verträglich, als auch nachhaltig ist und der die Menschen zusammenbringt.

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