Fans Menschenrechte

F_in ruft Vereine zum Handeln auf!

Das Netzwerk "Frauen im Fußball" hat die Vereine dazu aufgefordert, sich endlich stärker mit sexualisierter Gewalt im Fußball auseinanderzusetzen.

Aufgrund aktueller Vorfälle von sexualisierter Gewalt in der Bundesliga hat  F_in - Netzwerk Frauen im Fußball in einer Pressemittelung die Vereine erneut in die Verantwortung genommen, hier die Stellungnahme im Wortlaut:

"Beim Bundesligaspiel FC Schalke 04 - 1.FC Nürnberg kam es vergangenen Samstag zu einem Übergriff auf eine junge Frau im Stadion. Sie suchte Unterstützung bei Ordnern und Umstehenden und wurde allein gelassen. Anstatt zu helfen wurde ihr suggeriert, dass es im Fußball eben so liefe und wenn sie damit ein Problem habe, doch Zuhause gucken solle. Daraufhin entschied sie sich Anfang der Woche Anzeige wegen sexueller Belästigung zu stellen. Zudem richtete sie einen Brief an den FC Schalke 04, in dem sie die sexuelle Belästigung öffentlich machte und eine Reaktion des Vereins forderte.

F_in äußert sich nicht zum ersten Mal in diesem Jahr zu solchen Vorfällen. Bereits im Frühjahr mussten wir zu einem Vorfall im Sonderzug von Gladbacher Fans Stellung nehmen. Bei beiden Vorfällen ist es besonders begrüßenswert, dass die Betroffenen ihre Erfahrungen öffentlich machen. Klar ist aber auch, dass der größte Teil dieser Geschehnisse niemals eine Öffentlichkeit erfährt und dass die Auseinandersetzung in der Öffentlichkeit oft genug durch reflexhaftes Abwehrverhalten und einer Infragestellung der Betroffenenposition glänzt. Die Strukturen, die Frauen im Kontext Fußball daran hindern ihre Rechte einzufordern, gilt es ein für alle Mal zu durchbrechen.
Wir befürworten, dass immer mehr Frauen mit ihren Erfahrungen an die Öffentlichkeit gehen und fordern, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden. Betroffene müssen umfassende Unterstützung erfahren. Das gesamte Netzwerk Fußball muss begreifen, dass die Zeit der Herrenwitze und des "Selber Schuld" vorbei sind. Spätestens seit der Reform des Sexualstrafrechts ist klar: Nein heißt nein! Immer, überall und ohne Ausnahme.
Sexualisierte Gewalt ist kein neues Phänomen in den Stadien und auf Anfahrtswegen. Viele Frauen teilen diese Erfahrungen. Dennoch machen Betroffene die Erfahrung, dass sexualisierte Gewalt im Fußball weiterhin als Nebenschauplatz gewertet wird. In der männlich dominierten Fußballwelt wird sexualisierte Gewalt oftmals nicht als solche erkannt geschweige denn eingegriffen. So zunächst auch auf Schalke, als die junge Frau einen Ordner um Hilfe bat und der abwiegelte. Hier wurde deutlich, wie wenig Ordner*innen und andere Akteur*innen hinsichtlich sexualisierter Gewalt sensibilisiert bzw. im Umgang mit Betroffenen geschult sind.
Anders als im Gladbacher Umfeld hat der FC Schalke 04 aber im Nachhinein reagiert: die Vereinssprecherin Anja Kleine-Wilde kündigte interne Untersuchungen an und beteuerte, die Vorwürfe sehr ernst zu nehmen. "Das ist nichts, was wir in irgendeiner Form bei uns im Stadion tolerieren," sagte die Vereinssprecherin gegenüber reviersport. Auch wenn F_in die Ankündigung des Vereins begrüßt fragen wir uns, ob der Verein auf den Brief der Betroffenen reagiert hat, ob ihr mögliche, z.B. kommunale, Hilfestrukturen angeboten und persönliche Anteilnahme ausgesprochen wurde.
Aus Sicht von F_in fehlt eine klare und hinreichend öffentlich bekannte Hilfe-Struktur in den Vereinen und Verbänden aller Ligen. Wir erwarten, dass sie in den eigenen Reihen eine dauerhafte und nachhaltige Auseinandersetzung mit der Problematik beginnen und Handlungsstrategien entwickeln. Es ist an der Zeit, "insoferngeschulte" Ansprechpersonen in den Vereinen zu installieren: Für Zuschauer*innen, Angestellte und Aktive. Fanprojekte können diesen Prozess durch ihre Eingliederung in kommunale (Hilfe-)Strukturen begleiten. Beispiele dafür existieren bereits.
Wir fordern, dass sich alle verantwortlichen Akteur*innen im Fußball der Realität sexualisierter Gewalt stellen und Konzepte erarbeiten. Es ist Zeit, sich eindeutig zu positionieren. Es kann nicht sein, dass eine Auseinandersetzung nur anlassbezogen und bei Vereinen geschieht, bei denen solche Geschehnisse öffentlich gemacht werden. Sexualisierte Gewalt ist ein gesellschaftliches Problem und der Fußball als gesellschaftlicher Akteur sollte seiner Verantwortung endlich gerecht werden.

Love football – Hate sexism!"