Feuilleton

Doku über die tragische Geschichte des Teams von Chapecoense

Am Donnerstag startet "Nossa Chape - Unser Team" in ausgewählten Kinos - mit der Jury-Empfehlung des 11mm-Fußballfilmfestivals.

Gunter Gebauer übergibt den Jury-Preis des 11mm-Festivals an die Regisseure Jeff und Michael Zimbalist.
© Deutsche Akademie für Fußball-Kultur/Stadt Nürnberg

Die Geschichte des FC Chapecoense hätte eine Typische sein können - eine, die so unglaublich ist, dass sie nur der Fußball schreiben kann: Die Underdogs aus einer Kleinstadt im Süden Brasiliens kämpfen sich über Jahre nach oben, qualifizieren sich sensationell für den internationalen Wettbewerb und reiten auf einer Euphorie-Welle bis ins Finale. Das Team ist wie eine Familie, die Fans stehen fest an seiner Seite.

Flugzeugabsturz auf dem Weg zum großen Finale

Doch anstatt großartiger Tore und ausgelassener Feiern in Ermüdungsbecken oder Innenstädten sind es vor allem betretene Gesichter und Unmengen an Tränen, die den Dokumentarfilm "Nossa Chape" prägen. Denn auf dem Weg zum Finalspiel in Kolumbien stürzt der Teamflieger ab: 71 Menschen sterben, darunter ein Großteil des Teams, zahlreiche Funktionäre und Teambetreuer, mitreisende Journalisten und Crewmitglieder. Sechs Personen überleben den Absturz. Die Fluggesellschaft hatte "gespart" und zu wenig Treibstoff getankt.

So nehmen die Bilder der euphorischen sportlichen Entwicklung im Film nur die ersten Minuten ein, danach stehen Trauer und Verzweiflung über das unglaublich Unglück im Zentrum des Films. Und das obwohl die eigentliche Trauerphase, für die die Filmemacher nach Brasilien kamen, ebenfalls nur der Einleitung dient - die Bestürzung bleibt jedoch ständige Begleiterin beim dokumentierten Wiederaufbau des Klubs.  

Der allzu schnelle Wiederaufbau verläuft nicht ohne Widersprüche

Dass dieser Wiederaufbau ein schwieriges Unterfangen sein würde, ist nicht mehr als eine Binsenweisheit. Immerhin galt es sowohl die Führungsriege als auch die Mannschaft fast komplett neu aufzubauen. Doch im Kontext der schrecklichen Ereignisse war mehr gefragt, als die erfolgreiche Zusammenstellung einer schlagkräftigen Fußballmannschaft. Nicht immer gelingt es dem Verein in seinen Entscheidungen die notwendige Balance zu halten. So profitiert man finanziell von der gestiegenen Aufmerksamkeit, während gleichzeitig die Witwen der verunglückten Spieler über mangelnde Unterstützung klagen. Auch die Spieler aus der Vorsaison, die das Unglück überlebten oder für das Finale nicht im Kader standen, zeigen sich oftmals irritiert über den Umgang mit der Erinnerung an ihre Mitspieler. 

Diese Ungereimtheiten nicht auszublenden ist eine der Stärken des Films, doch getragen wird er von der Nähe zu den Betroffenen, die ihre Gefühle sehr offen zeigen. Insbesondere die enge Begleitung der drei überlebenden Spieler sorgt für gewaltiges Auf und Ab, dem sich das Publikum nur schwer entziehen kann. Dankbarkeit über das eigene Überleben überlagert sich mit tiefer Trauer, der Ehrgeiz wieder auf die Beine (und wenn möglich wieder auf den Fußballplatz) zu kommen, vermischt sich mit Hoffnungslosigkeit. 

Der ausgezeichnete Film startet am Donnerstag in den Kinos

Und obwohl die Geschichte zu einer Art versöhnlichem Ende kommt, verlässt man das Kino mit einem dicken Klos im Hals. Aber es lohnt sich, sagt auch die Jury des 11mm-Festivals (mit dabei die Akademie-Mitglieder Ronald Reng und Gunter Gebauer), die "Nossa Chape" zum besten Film kürte. Ab  Donnerstag ist der Film in ausgewählten Kinos in Deutschland zu sehen.

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