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Besinnung, Hoffnung, zurück zur Basis. "Fußball ist Freiheit".

Wenn Bundesligaspiele nur mit wenigen Fans stattfinden dürfen, sollten sie wenigstens auf geschichtsträchtigen Plätzen ausgetragen werden, findet Frank Ritmeester. Seine Fußball-Utopie belebt alte Erinnerungsorte wieder.

 

Mit der Fußball-Utopie "Besinnung, Hoffnung, zurück zur Basis. "Fußball ist Freiheit"." bewirbt sich Frank Ritmeester um den mit bis zu 5.000 Euro dotierten easyCredit-Fanpreis 2020. Bewerbungen waren bis zum 31. August 2020 möglich. Alle Informationen zur Teilnahme am Wettbewerb "Fußball-Utopie des Jahres"

Besinnung, Hoffnung, zurück zur Basis. "Fußball ist Freiheit". (von Frank Ritmeester)

Während der bizarren Zeiten der Corona wurden Fußballspiele ohne Publikum gespielt. Ein neuer Beruf, die des Tontechnikers, der Stadiongeräusche, Gesänge, Pfiffe dazu mischt, entstand. Nur die Zuschauer, an den Fernsehgeräten können diese hören, die am Spielrand stehen und die Spieler hören nichts. Eine surreales "Geisterstadion" ist entstanden. Die Bildregie und die Fernsehkameras übertragen die Spiele, wie wir es gewohnt waren.

Sie enthüllt damit erbarmungslost, wie verschiedene auf die ursprüngliche Fußballkultur gerichtete Fußballmagazine regelmäßig zeigen, dass der Kommerz das Spiel von der Gesellschaft immer mehr verfremdet1. Strukturen des Fußballs entsprechen die der Gesellschaft2. Die Corona zeigt verstärkt, dass die Gesellschaft anders mit Ressourcen, Umgebung und Wirtschaft umgehen sollte. Wir befinden uns in einer Transitionsphase, die der Fußball - als Spiegel der Gesellschaft3 - dramatisch sichtbar4 macht Eine innerliche Besinnungsfase durch Heimarbeit, die kleine Ferienreise in unser Umgebung wurde uns aufgedrängt. Die Corona eröffnet neue Möglichkeiten des Zusammenlebens. Das Fußballspiel kann diese als "Mythenmaschine"5 poetisch und spielerisch vorführen6. In den Dichtern träumt der Mensch, der Fußballspieler lässt uns hoffen7.

Die Bundesligaspiele sollten an geschichtsträchtigen, aber selbstverständlich einwandfreien, Bolzplätzen von Amateurvereinen ausgetragen werden. Das Publikum darf so wieso nicht oder nur limitiert anwesend sei. Einige gute Kameras und Regiewagen vor Ort genügen für eine professionelle Übertragung. ARD und ZDF haben dafür genug Erfahrung. Was wäre schöner wenn der 1. FC. Nürnberg ein Spiel im Schatten von der Burg Waldenburg, im gleichnamigen Ort, ausgetragen würde? Oder der HSV sein Spiel beim SC Victoria-Klause oder Eintracht Braunschweig sein Spiel beim BSC Acosta im Konrad-Koch Stadion, dessen Namensträger 1874 den Fußball nach Deutschland brachte8. Verwunschene Paradiese, wie der Dünenkessel des TSV Juist, wo Ottmar Hitzfeld und Friedhelm Funkelschon auf der Bank saßen und Ansger Brinkmann wegen des starken Windes an England dachte9, rücken dann wieder ins Blickfeld. Auch nach der Corona könnten Spiele regelmäßig in der Region ausgetragen werden. Der Fußballplatz ist nicht umsonst ein Ort der lokaleren Zugehörigkeit10. Strukturen des Fußballs entsprechen schon seit ihren Anfängen, die der Gesellschaft11. Damit würde das kollektive Gedächtnis12 über die Erinnerungsorte und die Identität gestärkt, wie das zu den Anfängen des Fußballs ebenfalls der Fall war. Sie machen den Reiz des schönsten Spiels der Welt aus. Neue Mythen13 würden entstehen und sich verbinden mit alten14. Wie Bob Marley schon sagte "Fußball ist Freiheit"15. Diese wird über die verschiedenen Austragungsorte unserer Jugend und die unserer Groß- Vätern zelebriert. Ein neuer Gemeinschaftssinn entsteht, die nur der Fußball uns geben kann.

 

1 Der tödliche Pass, verschiedene Ausgaben, sowie Magazine wie auch: 11 FREUNDE, Ballesterer, Zeitspiel, Hard Gras, Staantribune und Panenka, um nur einige zu nennen.
2 Elias, Norbert: Der Fußballsport im Prozess der Zivilisation. In: Der Satz Der Ball ist rund hat eine gewisse
philosophische Tiefe. Berlin 1983. Seite 12-21.
3 Herzog, Markwart: “Eigenwelt”- “Spiegel der Gesellschaft“ – leerer Signifikant“. In: Fußball zur Zeit des Nationalsozialismus. Alltag-Medien-Künste-Stars. (Hrsg.) Markwart Herzog und Rainer Jehl. Stuttgart 2008. Seite: 15-18
4 Elias, Norbert. Ebd.
5 Herzog, Markwart: Fußball als Mythenmaschine: Zweiter Weltkrieg – Nationalsozialismus – Antifaschismus. In: Europäischer Fußball im Zweiten Weltkrieg. Markwart Herzog und Fabian Brändle (Hrsg.). Stuttgart 2015. Seite 15-43
6 Riha, Karl: Fußball-Poesie. Improvisiert vom Leder gezogen. In: Fußball als Kulturphänomen. Kunst-Kult- Kommerz. Marktwart Herzog (Hrsg.). Stuttgart 2002.Seite 123-137.
7 Riha, Karl: Fußball literarisch. Oder der Ball spiel mit dem Menschen. Herausgegeben von Karl Riha. Erzählungen, Texte, Gedichte, Lieder, Bilder. Frankfurt am Main 1982.
8 Müller, Rainer A.: Fußballspielen in der Frühen Neuzeit. In: Fußball als Kulturphänomen. Kunst-Kult Kommerz. Marktwart Herzog (Hrsg.). Stuttgart 2002. Seite 49.
9 Deutschlandreise. Topografie des Fußballs. Vom Dorfplatz an der Grenze zu Dänemark bis ins Klaus- Augenthaler-Stadion in Vilshofen: 150 geheime Orte des Fußballs – und ein paar bekannte -, die jeder Fan gesehen haben muss. In: 11 Freunde Magazin für Fußballkultur. Nummer 223. Juni 2020. Seite 43.
10 Herzog, Markwart: Erinnern, Gedenken und Vergessen im Fußballsport. In: Memorialkultur im Fußballsport. Medien, Rituale und Praktiken des Erinnerns, Gedenkens und Vergessens. (Hrsg.) Markwart Herzog und Sylvia Heudecker. Stuttgart 2013. Seite 15-69.
11 Elias, Norbert: Ebd.
12 Ertl, Astrid: Kollektives Gedächtnis und Erinnerungskulturen. Stuttgart-Weimar. 2011.
13 Eichler, Christian: Lexikon der Fußballmythen. Aktualisierte Ausgabe. München 2006.
14 Barthes, Roland: Mythen des Alltags. Berlin 2010.
15 Bob Marley: “Football is Freedom”, youtu.be/urAirPERu7Y , abgefragt Arnhem 30. August 2020. 14.30 Uhr.

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