Die Welt zu Gast im Stadion?

Fußball in der Migrationsgesellschaft

Der Fußball ist nicht nur rund, sondern er hat auch zwei Seiten: Er ist schlicht und bedeutend zugleich. Er wird als Hochglanzprodukt vermarktet, trotzdem nimmt er bei vielen Menschen einen wichtigen Teil des Alltags ein, für die er identitätsstiftendes Symbol von lokaler Verbundenheit, vielleicht Heimat ist. Den Fußball zeichnet aus, dass es ein Spiel, das leicht zu verstehen und organisieren ist und überall auf der Welt nach den gleichen Regeln gespielt wird. Mit seiner weltweiten kulturellen Bedeutung wohnt dem Fußball potenziell eine hohe integrative Kraft inne, soziale, sexuelle,  ethnische oder religiöse Aspekte spielen in der Ausübung keine Rolle.

Dies zeigt sich besonders im Profifußball. Dort sind die multikulturell zusammengesetzten Teams auf dem Rasen seit langem ein Abbild der Migrationsgesellschaft. Aber was in den Kadern der Bundesliga längst Anerkennung gefunden hat, spiegelt sich nicht auf den Tribünen wider. Während viele Spieler auf dem Rasen Migranten oder Menschen mit Migrationsgeschichte sind, trifft dies für das Publikum auf den Rängen nicht zu: Laut einer repräsentativen Untersuchung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) hat nur etwa 1 % der Zuschauer*innen in den Fußballstadien einen Migrationshintergrund. Der Fußball wirkt somit nicht per se integrativ, auch im Stadion begegnen wir Rassismus und Exklusion.

Ist der Fußball also eine internationale und kosmopolitische Welt, die zu einem friedlichen Miteinander der Völker in Zukunft beitragen kann? Oder bilden der Profifußball und die deutsche Nationalmannschaft bloß Ausnahmen, die vom wirklichen Leben abgekapselt sind?

Mit der Veranstaltung wollen wir versuchen, unter folgenden Fragestellungen das Thema von mehreren Seiten zu beleuchten: Wie bildet sich Gesellschaft im Fußball ab? Was können Vereine (noch mehr) tun, um verschiedene Gesellschaftsgruppen und –identitäten anzusprechen bzw. zu erreichen? Bratwurst und Bier – gibt es kulturelle Hemmnisse für einen Stadionbesuch? Welche fördernden und hemmenden Faktoren der Populärkultur Fußball lassen sich identifizieren? Wie kann das Stadion als Lern- und Integrationsraum genutzt werden? Welchen Beitrag kann der Fußball leisten, um Integration und gesellschaftliche Toleranz zu fördern?

 

Zu diesen Fragen wollen wir nach einem Impulsreferat von Breschkai Ferhad ins Gespräch kommen mit:

Bülent Aksen – ehemaliger Beauftragter für Fanangelegenheiten beim DFB

Carsten Blecher – Mitarbeiter des Fanprojektes Köln, Universität Siegen

Breschkai Ferhad – Bundesverband Netzwerke von Migrantenorganisationen, Berlin

Dr. Fessum Ghirmazion – IG Metall Vorstand, Frankfurt

Moderation: Nicole Selmer – freie Journalistin und Autorin

Veranstalter sind die Koordinationsstelle Fanprojekte bei der dsj und die Deutsche Akademie für Fußball-Kultur in Zusammenarbeit mit der Stiftung für die Internationale Wochen gegen Rassismus

 

 

20.03.2017
19 Uhr
Frankfurt/Main
Haus am Dom
Domplatz 3, 60311 Frankfurt/Main
Eintritt frei
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