1. FC Ohne Jungs & Ballköniginnen
Das Interesse der Öffentlichkeit an der Weltmeisterschaft in Deutschland war für die Verhältnisse des Frauenfußballs enorm. Doch wie geht es jetzt weiter? Selbst Optimisten rechnen nicht mit signifikanten Steigerungen etwa des Zuschauerinteresses an der Frauenfußball-Bundesliga. Fußballkulturell dürfte aber Einiges bleiben. Wie etwa Martina Schreys facebook-Projekt "Ballköniginnen", das sich mit allerlei Themen rund um den Mädchen- und Frauenfußball beschäftigt. Aufhören kommt ihr freilich gar nicht in den Sinn. Gilt übrigens auch für die Reihe von Kinderbüchern (die Schrey zusammen mit Claudia Ondracek schreibt) mit dem vielsagenden Titel: 1. FC Ohne Jungs. Die Akademie stellt beide Projekte vor.
Kinderbuchreihe 1. FC Ohne Jungs
„Frauenfußball macht süchtig“, sagt Bundestrainerin Silvia Neid in ihrem Vorwort zu der Jugendbuchreihe, „genauso wie der 1. FC Ohne Jungs“.
Und der ist etwas ganz Besonders: Denn als die beiden Autorinnen Claudia Ondracek und Martina Schrey die Idee zu dieser Reihe hatten, gab es kaum Fußballbücher, die von einer reinen Mädchenmannschaft handelten. „Es gab immer nur Geschichten, in denen sich Mädchen beweisen mussten, damit sie mit den Jungs mitspielen dürfen. Dann mussten sie aber auch wirklich herausragend sein“, sagt Martina Schrey. Beim 1. FC Ohne Jungs ist das anders – da gibt es hervorragende Spielerinnen wie Paula, die von einer Bundesliga-Karriere träumt, aber auch Freizeitkickerinnen wie Mia, die Männerfußball eigentlich viel besser findet. Semra wiederum muss als Tochter türkischer Eltern sehr darum kämpfen, überhaupt im Tor stehen zu dürfen – und Jule ist zwar eine gute Sportlerin, mit dem Ball am Fuß tut sie sich jedoch manchmal schwer.
Trotzdem sind die vier Freundinnen ein gutes Team – und gründen zusammen mit anderen Mädchen aus der Schule den „1. FC Ohne Jungs“. Dabei müssen sie zahlreiche Widerstände überwinden und auch vom Spott der Jungs bleiben sie nicht verschont. Das ist unterhaltsam und witzig, nebenher wird außerdem jede Menge Fußballwissen vermittelt – über Regeln auf dem Platz, aber auch über Männerfußballvereine und Frauenfußballgeschichten. „Es geht in den Büchern nicht nur um´s Kicken“, sagt Claudia Ondracek. „Uns war es auch wichtig zu zeigen, was fußballspielende Mädchen im Alter von 12, 13, 14 Jahren sonst noch so beschäftigt.“ Nervige Eltern zum Beispiel, oder stressige Lehrer, Konkurrenz, Neid, Eifersucht, Mütter, die nicht verstehen, warum ihre Töchter unbedingt kicken wollen und Jungs, die sich über sie lustig machen. Und natürlich auch die erste Liebe…
In jedem Teil spielen Paula und abwechselnd eine ihrer drei Freundinnen die Hauptrolle. In wechselnden Introspektiven wird neben der auktorialen Erzählweise auch ihre Sicht der Dinge geschildert. Alle Bände haben ein Vorwort der Bundestrainerin Silvia Neid und jeweils einen Steckbrief einer Nationalspielerin.
Facebook-Seite „Ballköniginnen“
Bei der Recherche zu der Buchreihe „1. FC Ohne Jungs“ kam Martina Schrey auf die Idee, eine eigene Facebook-Seite namens Ballköniginnen zu machen. Auf der Seite postet sie seit Februar diesen Jahres Wissenswertes und Unterhaltsames rund um das Thema Mädchen- und Frauenfußball. Dabei ist es ihr nicht so wichtig, die neuesten Spielerinnenwechsel oder die aktuellen Bundesliga-Ergebnisse bekannt zu machen, ihr geht es vielmehr um die Geschichten drumherum. „Als ich erfuhr, dass der HSV aus finanziellen Gründen seine 2. Frauenmannschaft aufgelöst hat, obwohl die gerade Meister in der 2. Bundesliga geworden war, habe ich das aber auch gepostet“, sagt sie. „Ich finde es schon sehr ärgerlich, dass über solche Sachen so wenig berichtet wird. Bei den Männern wäre das Geschrei sicherlich groß gewesen!“ Aber genauso berichtete sie auf der „Ballköniginnen“-Seite über das Panini-Heft, die WM-Briefmarken oder die zahllosen Songs, die zum WM-Hit 2011 werden wollten. Martina Schrey hat als Journalistin im Vorfeld der WM zudem ein großes Radio-Projekt beim Berliner Inforadio (rbb) betreut, bei dem es um den Fußballerinnen-Nachwuchs ging. „Ich wollte zeigen, mit welchen Schwierigkeiten Mädchen zu kämpfen haben, obwohl sie einfach nur Fußball spielen wollen. Das fängt ja schon mit den Eltern an, die oft nicht so begeistert davon sind, dass ihre Tochter kicken will.“ Außerdem müssten sich die Mädchen in der Regel erstmal in Jungs-Mannschaften durchsetzen – wenn überhaupt, dann böten die meisten Vereine reine Mädchen-Teams erst ab dem Alter von 9, 10 Jahren an. Trainer für Mädchen seien zudem rar gesät, Spielstätten auch. „Ganz oft kommen erst die Jungs. Und wenn dann noch Platz und Zeit übrig ist, sind die Mädchen dran.“
Die Beiträge ihres Projekts Die Ballerinas – Mädchenfußball ist kein Kinderspiel hat Martina Schrey ebenfalls auf ihrer Facebook-Seite „Ballköniginnen“ gepostet. Und natürlich all die Geschichten rund um die WM – von der überbordenden Werbekampagne über die überraschende Niederlage der deutschen Mannschaft bis hin zum Finale.
„Spannend wird sein, wie es jetzt weiter geht“, sagt Martina Schrey. Zu Beginn ihrer Recherchen gab es nur wenige Berichte über Frauenfußball, in den letzten Wochen konnte man sich davor kaum retten. Jetzt ist die WM vorbei. Am 21. August fängt die Fußball-Bundesliga der Frauen wieder an. „Ich bin neugierig, ob es dann mehr Zuschauer, mehr Sponsoren, mehr Mädchentrainer gibt. Oder ob es dann überhaupt noch jemanden interessiert.“ Die Facebook-Seite „Ballköniginnen“ wird es auf jeden Fall weiter geben. „Ja klar. Dann wird es doch erst richtig spannend!“

- Foto: Simonetta Reh
Zur Person:
Martina Schrey interessiert sich für Fußball, seitdem sie 10 Jahre alt ist – für Männerfußball. Bei der WM 1974 wurde sie ein großer Fan des Torwarts, Sepp Maier von Bayern München. Die Leidenschaft für den Fußball hat sie seitdem nicht mehr losgelassen, auch wenn sie selbst „nur“ Handball gespielt hat. Und sie hat diese Leidenschaft offenbar vererbt: Ihre 10 jährige Tochter Marta (!) spielt bereits ihr halbes Leben lang Fußball im Verein. Und durch Marta kam Martina Schrey auch zum Frauenfußball: Als sie beim Endspiel der WM 2007 zwischen Deutschland und Brasilien zufällig hörte, dass die Weltfußballerin genauso heißt wie ihre Tochter, wurde sie neugierig. Und sie ist sich sicher, es gibt noch vieles zu entdecken.
Die Deutsche Akademie für Fußballkultur bedankt sich für die freundliche Zusammenarbeit.










