Amateurfußball-Magazine
König Fußball ist in den Medien allgegenwärtig. Bei genauerer Betrachtung wird aber deutlich: Der größte Teil der Pressemacher berichtet nur von einem Bruchteil des Geschehens auf deutschen Plätzen. Der Amateurfußball, von den Niederungen der A-Klassen bis an die Schwelle der Regionalliga, fristet selbst in den Lokalzeitungen oft ein Schattendasein. Abhilfe schaffen hier spezialisierte Magazine, deren Zahl in den letzten Jahren deutlich zunahm. Neben einigen wenigen Pionieren, die schon seit geraumer Zeit in Printform über die Amateurkicker berichten, bietet das Internet für viele Engagierte eine perfekte Plattform, Meldungen und Berichte zu verbreiten. Einige dieser Macher nahmen sich die Zeit, der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur Rede und Antwort zu stehen.
Von Christian und Patrick Schirmer
Gängiges Motiv für die Gründung solcher Magazine ist die mangelnde oder wenigstens mangelhafte Berichterstattung in den lokalen Medien, die sich oft auf das Nötigste beschränkt. Dabei ist das Interesse überall vorhanden, denn schon die vielen Amateurspieler bilden eine große Leserschaft. So finden die Gründer meist Nischen, die nicht nur Kostendeckung, sondern sogar Rentabilität versprechen. So finden sich unter den Befragten keinerlei Hobbyprojekte, sondern kleine und größere Unternehmen, die ein beachtliches Maß an Professionalität aufweisen. Für Viele – oft selbst leidenschaftliche Fußballer – bietet sich somit die Möglichkeit, ein Stück weit Selbstverwirklichung mit dem Verdienst ihres Lebensunterhaltes zu verbinden.
Die Bandbreite der Magazine ist gewaltig: Der renommierte RevierSport etwa besteht seit 1987, beschäftigt ca. 30 Mitglieder, vertreibt zwei mal wöchentlich in hoher Auflage sein Printmagazin, berichtet neben dem Amateurfußball auch über die Top-Mannschaften aus dem Ruhrgebiet. Auf der anderen Seite steht das 2009 begründete reine Online-Angebot fussballn.de: Hier wird ein Einzelkämpfer von einigen freien Mitarbeitern und einer großen Zahl ehrenamtlicher Helfer in den Vereinen unterstützt. In diesem Rahmen bietet das Internet eine entscheidende Plattform, einen Einstieg zu schaffen.
Doch gerade bei der Nutzung des neuen Mediums scheiden sich die Geister: Zwar betreibt jedes der befragten Magazine (auch) eine Online-Plattform, einig ist man sich ob seiner Bedeutung aber nicht. Loben die Einen die Möglichkeiten ob Aktualität und Reaktionsschnelligkeit, fehlt Auf Asche die wirtschaftliche Rentabilität, weshalb man sich dort auf die etablierte Printausgabe fokussiert. Wer über die notwendigen Ressourcen verfügt, arbeitet freilich an einer möglichst guten Verzahnung der beiden Kanäle: Auf’m Platz zum Beispiel veröffentlicht jeweils zu Beginn der Hin- und Rückserie ein Heft, während die aktuelle Berichterstattung auf der Webseite betrieben wird.
Entscheiden für längerfristiges Bestehen ist die Finanzierung der Angebote: Neben der überall gängigen Anzeigenwerbung im Heft bzw. Online decken einige der befragten Magazine ihre Kosten auch über den Verkauf der Inhalte. Weitgehend gilt bisher: Print kostet, während die Online-Angebote frei zugänglich sind. Ausnahmen bilden die Fussifreunde Hamburg (deren Hefte kostenlos ausgegeben werden) und Anpfiff. Dort ging man den Schritt zu Bezahlinhalten auf der Webseite.
Auch wenn die Lokalpresse – wie angesprochen – oft den Anstoß für die verschiedenen Magazine gab, stellte sich auch die Frage, inwiefern zwischen diesen Akteuren eine Konkurrenzsituation entstünde und in welchem Verhältnis man zueinander stünde. Die Reaktionen zu diesem Thema sind sehr unterschiedlich und bewegen sich zwischen Zusammenarbeit (Anpfiff: für Print) und abgewiesenen Kooperations- und Übernahmeangeboten bis hin zu offensichtlicher Verdrängung der lokalen Medien aus einer intensiven Berichterstattung. Oft wurden die – wenigstens zu Beginn – strukturell deutlich unterlegenen Magazine schlichtweg unterschätzt, was Vielen den Weg zur Etablierung ermöglichte. Mit der ausgeprägten Verankerung in der regionalen Fußballszene besitzen die spezialisierten Anbieter dann gewisse Vorteile.
Die nächste sich anbahnende Steigerung in der Berichterstattung zum Amateurbereich bildet das Senden von Bewegtbildern, dem alle Befragten prinzipiell positiv gegenüber stehen. Das Göttinger Magazin Gökick arbeitet beispielsweise schon an einem Video-Bereich auf der Webseite. Zum Zeitpunkt der Erhebung stand allerdings noch das Urteil zur rechtlichen Situation aus. Denn der Baden-Württembergische Fußballverband klagte gegen die Bereitstellung von privaten Fußballvideos auf der Internetplattform von Akademie-Mitglied Oliver Fritsch (www.hartplatzhelden.de). Die bis dahin befragten Gerichte sprachen unisono dem Kläger die Rechte an den Videos zu – quasi analog zur Bildrechtevermarktung in den Profiligen. Eine Auffassung, die unter den Befragten fast durchweg Empörung auslöste. Nach dem anders lautenden Schiedsspruch des Bundesgerichtshofs im Oktober ist dieses Problem wenigstens vorerst aus der Welt geschafft – und damit der Weg frei für eine neue Dimension der Berichterstattung zum Breitensport Fußball.








