FK Trimmdich holt 8. CCL-Titel
Wenn in Köln der Herbst Einzug erhält, legt sich stets ein grauer Schleier der Antriebslosigkeit über die Stadt. Der Himmel suppt, das Thermometer kann sich nur selten zwischen drei und elf Grad entscheiden, und das einzige, was sich aufrichtet, ist der Rheinpegel. Mit etwas Anstrengung und dem nötigen Glück werden in dieser Zeit nach diversen Karnevalsfeiern zwar ein paar uneheliche Kinder gezeugt, ansonsten ist aber eher Erschlaffenskraft statt Schaffenskraft angesagt. Da grenzte es förmlich an ein göttliches Wunder, dass im Oktober 2002 aus einer hocherotischen Dreiecksbeziehung von Ball, Fuß und Wiese die Fußballkultur Trimmdich, kurz „FK“, hervorging, eine Mannschaft, die in den Folgejahren neue Dimensionen in puncto Fußball(leit)kultur und Lebensraum erschuf und schnell hinter vorgehaltener Hand als das Non plus ultra der Szene gehandelt wurde. Ein Team, bespickt mit Fußball- und Überlebenskünstlern jeglicher Art. Bis heute liefen sage und schreibe 163 Spieler für die FK auf. Zum festen Stamm rechnen sich derzeit neben ein paar Lehrern (immer dabei) unter anderem auch zwei Mitarbeiter des DFB, einer, der seine Diplomarbeit noch nicht ganz loslassen will, ein Schauspieler, ein Guru und und und. Alle streben nach fußballerischer Erleuchtung. Markante Punkte sind zumeist durch freiberufliche Redakteure besetzt, was die Sache nicht immer einfacher macht. Dafür ist allerdings ein Controller an Bord, der weiß, wie er die Dinge wieder gerade rückt und ein Präsident mit dem verlockenden Namen Thomas Müller, unter dessen Herrschaft selbst ein Mauerblümchen zu einer stattlichen Rose zu reifen vermag. Vielleicht der einzig liebe Führer auf diesem Planeten.
Das Durchschnittsalter wird übrigens auf 33 Jahre geschätzt, also bestes Fußballeralter.
Der Siegeszug der Fußballkultur
Bereits das erste Testspiel gegen den THC Deutz im November 2002 wurde mit 5:0 gewonnen, weitere Kantersiege folgten und legten den Verdacht nahe, dass die FK offensichtlich zum Herrscher über Sieg und Niederlage geboren war. So heuerte man im März 2003 in der neugegründeten Freizeitliga Cologne Champions League www.2cl.org an. Soeben wurde mit einem schäbigen 0:0 (ein gutes Pferd ...) gegen die Cologne South Beach Buffers die achte von neun Meisterschaften mit der unerträglichen Leichtigkeit des Beins an sich gerissen - zum Spielbericht. Dass die FK im Vorjahr den Titel ihrem ärgsten Widersacher, der CFB Rotation Colonius überließ, war lediglich ein Akt höchsten Mitgefühls und reinster Güte, denn wenn ein Hund über sehr lange Zeit verzweifelt nach der Wurst schnappt, soll er irgendwann halt auch mal reinbeißen dürfen, damit das System überleben kann.
Doch auch außerhalb der Cologne Champions League mehrten sich die Erfolge: Das Kleinfeldturnier der Bunten Liga Köln wurde 2003 und 2004 in einem gnadenlosen Eroberungsfeldzug quasi eingeatmet, was nicht zuletzt dazu führte, dass sich das chronisch unterforderte babyblaue Starensemble im Jahre 2004 dazu entschloss, als Quereinsteiger in den Ligabetrieb der Bunten Liga Köln einzusteigen und seinen Ruf als unbezwingbares Punktemonster zu zementieren, weil mehr spielen gleich mehr gewinnen gleich mehr Freude. Gebührlich arrogantes Auftreten nebst dominanter Ballbeherrschung und filigraner Edeltechnik führte schließlich dazu, dass die herrschenden Verhältnisse alsbald durcheinander gebracht wurden:
Nach zwei höflichen Viertelfinal-Ausstiegen und Platz 3 im Jahr 2007 entmachtete die FK 2008 mit einem gnadenlosen 5:1 den Abomeister Graskloppers, verwies ihn ins düstere Reich der Geschichte und setzte sich majestätisch auf den Thron der Kölner Freizeitfußballszene. Von dort oben verteidigte sie den Titel im Jahre 2009 und stieg hernach in den Fußballhimmel auf, wo sie zur Rechten des Fußballgottes sitzt, Däumchen dreht und an auserwählten Wochenenden herabsteigt, um 90 irdische Minuten auf’m Platz zu stehen.
Zwischendurch verbreitete die FK auch bundesweit immer wieder Angst und Schrecken. So tütete sie im Sommer 2005 die Deutsche Kleinfeldmeisterschaft der BOLZEN 4+1-Serie in Berlin ein. Legendär, wie die Hälfte der Mannschaft nach der Players-Party vor dem Finaltag von einer Rückkehr in ihr Schlafdomizil absah und sich direkt in die angrenzende Sandgrube legte, um nach zwei Stunden Dösen ohne Gegentor ins Finale einzuziehen. Dort wurde dann mit widerlich souveränem Altherrengekicke das Team Verbotene Liebe mit 1:0 in die Schranken gewiesen. Noch vor dem Turnier zierte man eine der ersten Ausgaben des Freizeitfußball-Magazins, vermutlich weil alle schon da wussten, was passieren wird.
Da sich Berlin für die FK als äußerst erquickliches Pflaster entpuppte, meldete man sich 2006 für den Coca-Cola-Ticketkick am Prenzlauer Berg an, bei dem man nur ein einziges Spiel gewinnen musste, um an WM-Karten für die gesamte Mannschaft zu gelangen. Der Kick entpuppte sich als leichte Laufübung: Das 13:2 gegen die Sigmarines, eine erschreckend fußschwache Abordnung der Feldjäger, war auch ein Sieg des Pazifismus. Freundliche Angebote an die Bundeswehr, ihre Elitetruppen zukünftig bei der FK ausbilden zu lassen, blieben unbeantwortet.
Und damit sich der Rote Faden des Erfolgs weiter wie eine Laufmasche durch die babyblaue Vereinshistorie zieht, darf man von unzähligen weiteren Heldentaten und -titeln ausgehen. Langfristig ist geplant, noch mindestens vierzig Jahre auf allerhöchstem Niveau zu spielen. Die Vorzeichen sind denkbar gut.
Cologne Champions League 2010
Letzter Spieltag der 2CL ist Samstag, der 27. November 2010. Fans der FK-Trimmdich finden sich um 15 Uhr zum Spiel gegen Melaten Marodeure auf der Anlage von Arminia Köln ein. Der Ausgang des Spiels ist vollkommen wurscht. Gerüchten zufolge werden die Positionen ausgelost...









