Mifalot - Fußball für Frieden

Mifalot - Das Projekt für Bildung und Soziales von Hapoel Tel Aviv

Sport für Entwicklung und Frieden im Nahen Osten

von Florentine Lempp-Dagan

Kenne Deinen Nachbarn

Am Sonntag, den 30 Mai, knapp zwei Wochen vor dem Anpfiff der WM in Südafrika fand in Tel Aviv ein internationales Turnier der ganz anderen Art statt: auf dem Übungsrasen des israelischen Meisters Hapoel Tel Aviv spielten im Rahmen des jährlichen „Kenne Deinen Nachbarn“ Turniers hunderte Kinder aus Israel, den Palästinensischen Gebieten und Jordanien in den roten Uniformen des Vereins Fußball, zum Teil gegen-, hauptsächlich aber miteinander.

Im normalen Leben hätten diese Kinder sich nie kennen gelernt – zu groß sind die (nicht nur räumlichen) Entfernungen zwischen ihnen: sie kommen aus unterschiedlichen Schichten und sprechen unterschiedliche Sprachen, haben unterschiedliche Religionen, Vorlieben und Angewohnheiten. Was sie verbindet, ist die Liebe zum Fußball. Und die Tatsache, dass sie alle das Jahr über an Programmen der Organisation Mifalot teilnehmen.

Mifalot – Entwicklung und Frieden durch Sport

Mifalot ist die umfangreichste und vielfältigste Organisation im Nahen Osten, die Sport als Mittel für Entwicklung und Frieden einsetzt. Sie unterhält langfristige Programme in Israel, den Palästinensischen Gebieten und Jordanien, in den letzten Jahren wurden auch Kurzzeitprojekte in Ruanda, Kamerun und – nach dem Erdbeben – in Haiti durchgeführt.

Mifalot wurde 1997 von den Besitzern des Fußballvereins Hapoel Tel Aviv gegründet. Aus der recht einfachen Idee, Kindern aus sozial schwachen Gebieten Fußballtraining anzubieten unter der Bedingung, dass sie immer fleißig ihre Hausaufgaben machen, ist inzwischen eine große Organisation geworden, die Projekte für jährlich über 20 000 Kinder in ganz Israel anbietet.


Fußball als Mittel zum Zweck

Die meisten Projekte richten sich an Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien oder anderweitig schwierigen Verhältnissen, Angehörige von Minderheiten, Einwanderer, Asylbewerber und Kinder mit geistigen bzw. körperlichen Behinderungen. 

Ziel ist es, allen Kindern und Jugendlichen die Gelegenheit zu geben zu lernen, zu wachsen, sich hervorzutun, und als aktive Mitglieder ihre Gesellschaft mitzugestalten. Der Kern der Arbeit von Mifalot liegt in der Bildung und Jugendförderung, die Ziele sind u.a. die Stärkung von Selbstbewusstsein, Toleranz und Respekt, Integration und ganz grundsätzlichen Sozialkompetenzen. In Afrika und Haiti wurde außerdem großen Wert auf posttraumatische Bewältigung gelegt. Der Fußball ist hier das Mittel, nicht der Zweck.


Internationale Anerkennung

Mifalots Effektivität ist längst international anerkannt: die Organisation ist unter den drei Finalisten für die angesehene Beyond Sport Auszeichnung (die endgültige Entscheidung fällt im September) und wurde vom Sonderberater des UN-Generalsekretärs für Sport im Dienste von Frieden und Entwicklung, Wilfried Lemke, ausdrücklich gelobt. Einige der Projekte werden von der Europäischen Union, von der Friedrich Ebert Stiftung bzw. von der in Deutschland ansässigen Organisation Streetfootballworld unterstützt.

Die Zukunft: grenzenlose Möglichkeiten

So klein die Organisation auch begann, sie selbst setzt sich keine Grenzen, längst ist sie über ihre ursprünglichen Ziele hinaus gewachsen: Lehrgänge für israelische, palästinensische und jordanische Trainer führen zu professionellen und freundschaftlichen Beziehungen auch unter den älteren Generationen und im Herbst des vergangenen Jahres begann ein innovatives Zivildienstprogramm für Angehörige der arabischen Minderheit (für die der allgemeine israelische Wehrdienst nicht gilt), das aufgrund des großen Andrangs im kommenden Jahr drastisch ausgebaut wird.

Darüber hinaus sind mehrere Kooperationen mit europäischen Fußballvereinen, Stadtverwaltungen und privaten Trägern geplant, um das erfolgreiche Konzept von Mifalot weiter zu verbreiten.


Weitere Informationen zu Mifalot:

Website
Youtube

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Blog

Broschüre

Die Autorin:

Florentine Lempp-Dagan, geboren 1981 in Hamburg, lebt seit zwei Jahren in Israel und engagiert sich in mehreren sozialen Projekten. Bei Mifalot ist sie seit Januar insbesondere für den Kontakt zum deutschsprachigen Raum zuständig.


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