Freistoß - ein Fußball als Garten
Ein Kunstprojekt von ULRIKA
in Zusammenarbeit mit der JVA Bochum
2009 wurde ein ungewöhnliches Projekt der Künstlerin ULRIKA gemeinsam mit der JVA Bochum realisiert: "Freistoß - ein Fußball als Garten"
Diese funktionale Skulptur im Freistundenhof der JVA Bochum ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Sie wurde für die 800 Insassen des Gefängnisses für eine aktive Nutzung entwickelt. Der Fußball als Garten ist die erste Umsetzung. Die ldee soll sich wie ein springender Ball fortsetzen, neue Umsetzungsformen sind auch an anderen Orten möglich.
Anregungen für neue Spielfelder oder Ballpaten für zukünftige Projekte sind jederzeit willkommen. Man kann gespannt sein, wo der Ball als nächstes landet.
IDEENENTWICKLUNG - PRÄAMBEL
Auf Einladung des Ministeriums für Kunst und Kultur NRW entwickelte ULRIKA für den lnnenhof der JVA Bochum eine "Außenskulptur" in Form eines übergroßen Fußballs aus Erde, Steinen und Pflanzen. Nach der ersten Besichtigung des Gefängnisses, ging es für die Künstlerin darum, Möglichkeiten der Freude, Schönheit und Sensitivität an diesen Ort zu bringen. Sie wollte ein Objekt realisieren, welches eine Beteiligung der Häftlinge ermöglicht und durch die direkte Erfahrung, ldentifikation zu Kreativität anregt.
Die ldee des Grünballs entstand aus ihrer Frage an die Leitung der JVA, was den Menschen an diesem Ort Freude bereitet. "Fußball' bekam sie als Antwort und da das Ministerium des Landes sich im lnnenhof ein Kunstwerk mit Grünpflanzen wünschte, hatte sie die Vision eines Fußballs, der aus dem nahegelegenen Ruhrstadion hinausfliegt und wie eine Sternschnuppe oder wie ein Kometenball im Freistundenhof der JVA landet. Hier hebt er sich 1,30 m aus der Erde heraus und wird begärtnert.
ZUM KUNSTWERK SELBST
Das auf 10 m Durchmesser stark vergrößerte Ballsegment aus Erde mit fünf- und sechseckigen ummauerten Fußballwaben (die Höhe von 1,30 m durfte auf Grund von Sicherheitsbestimmungen der JVA nicht überschritten werden) bietet Felder für ökologisches Saatgut. Helle und dunkelblättrige Pflanzen unterscheiden farblich diese Nutzgärten. Von den Zellenfenstern der Häfllinge ist der Ball als Ganzes in der Aufsicht zu sehen, in der Freistundenzeit kann er umrundet werden. Insbesondere gibt diese "funktionale Skulptur" interessierten Häftlingen die Möglichkeit, die Erdwaben ganzjährig selbstständig zu begärtnern und dadurch gesunde Erträge, wie frische Schnittsalate, Spinat, Kartoffeln, Böhnchen, Möhren, Basilikum, Schnittlauch und andere Kräuter für gehaltvolles Essen und Getränke zu ernten.
Im Sommer 2009 leitete ULRIKA die Erstbepflanzung an, um die beabsichtigte Nutzung, Ästhetik und Pflege sichtbar und erfahrbar zu machen.
WEITERE PFLEGEANLEITUNG
Der Ball soll dicht bewachsene grüne und dunkle, rote Pflanzenfelder haben, so dass er auch farblich als Fußball erkennbar ist. Er ist als Nutzgarten angelegt, damit diese Tätigkeit des ökologischen Gartenbaus in der JVA erlernt und belebt wird. Das Ergebnis soll schön aussehen und den Blick aus den JVA-Zellen inspirieren, sowie durch das Pflegen, Sähen, Jäten und Ernten zu einer gesunden Ernährung durch Selbsterzeugtes motivieren.
WER BLEIBT AM BALL?
Interessant ist, wie sich der Fußball als Garten, der auch in Zukunft die Pflege, sanfte Organisation und Verantwortung der Nutzer braucht, weiterentwickeln wird. Hier darf exemplarisch Beteiligung stattfinden und bewusst gestaltet werden. Durch das ökologische Nutzgärtnern wird der Fußball zum Spielfeld und lndikator für eine humane Art und Weise des Umgangs mit der Natur und der Identifikation mit dem Selbst-Geschaffenen. Über Bochum hinaus soll dieses exemplarische Modell des ökologischen Ballgartens hinausfliegen und anderswo landen. Man kann gespannt sein wo.
PLAKAT zum Download (pdf, 3,4MB)
ULRIKA
Urbane Praxis: Serie funktionale Skulpturen
© VG-BildKunst/ die ldee ist urheberrechtlich
geschützt 2008/2009
Die Künstlerin dankt allen Beteiligten der JVA Bochum, dem Ministerium für Kultur NRW, dem BLB Dortmund, Stefan Lachmann und Uli.
Gewidmet allen Häftlingen und Betreuern und Allen, die diese Form des Gärtnerns in Zukunft voranbringen.
Kontakt via DEUTSCHE AKADEMIE FÜR FUSSBALL-KULTUR








