Europameisterschaft 1964: Spaniens einziger Titel

- Camp Nou
Die EM-Endrunde wurde in den beiden größten Stadien des Landes ausgetragen, dem Éstadio Santiago Bernabéu in Madrid und Estadio Camp Nou in Barcelona, deren Fassungsvermögen 124.000 bzw. 90.000 betrug.
Die Stadien versorgten ihre Hausherren mit enormen Einnahmen, die sie in den Aufbau ihrer mit ausländischen Stars verstärkten Ensembles investierten. Für die Spanier besaßen beide Arenen auch eine politische Bedeutung.

- Santiago Bernabeu
Real Madrids Großstadion war 1947 eingeweiht worden und hieß zunächst Chamartín. Initiator des ehrgeizigen Projekts war der Anwalt Santiago Bernabéu, der im Bürgerkrieg auf Seiten Francos gekämpft hatte und 1944 Präsident der „Königlichen“ geworden war.
Bernabéu, der dem Klub bis 1978 vorsitzen sollte, holte politische Gesinnungsfreunde in den Klub und führte Real an die Seite des Franco-Regimes. In den 1950ern gehörte Bernabéu zu den Vätern des Europapokals der Landesmeister.
Barcelonas Camp Nou hatte 1957 seine Tore geöffnet und war in den folgenden Jahren zum Parlament des katalanischen Widerstands gegen den Diktator und kastilischen Zentralismus avanciert.
Die Finalpaarung Spanien gegen UdSSR entsprach den Wünschen vieler Fußballexperten, auch wegen ihres Ausfalls beim ersten Nationencup. Der spanische Verband und die UEFA waren bemüht, das Ereignis auf ein reines Fußballfest zu reduzieren. Rund um das Estadio Santiago Bernabeu patrouillierten Polizei und Guardia Civil. Die spanische Presse, ansonsten alles andere als zimperlich im Umgang mit ausländischen Gegnern, rief zur Besonnenheit und Fairness auf. Gegenüber der Ehrentribüne, auf der natürlich auch Diktator Franco saß, flatterte sogar die rote Fahne der UdSSR.

Nach dem (verdienten) 2:1-Sieg der Spanier suspendierten die Anhänger des Regimes ihre diplomatische Zurückhaltung. Die konservative Zeitung ABC brachte einen Cartoon, auf dem Franco zu sehen war, wie er dem spanischen Team mit den Worten gratulierte: „Sie und ich haben sich als Sieger erwiesen. Wir haben beide die Roten geschlagen.“ Für ABC waren die Begeisterung im Stadion und auf Madrids Straßen Ausdruck des „größten Enthusiasmus’“, den das Volk „dem Staat, der aus dem Sieg über den Kommunismus hervorging, in diesem Vierteljahrhundert entgegengebracht hat.“
Im Tor der Spanier stand allerdings mit dem jungen Iribar ein Gegner des Regimes und baskischer Separatist. Der Gewinn des Nationencups 1964 sollte bis heute der einzige Triumph der selección bleiben, die anschließend wieder Spaniens großen Klubs den Vortritt lassen musste.
Mit dem Gewinn der Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz 2008 konnte sich die furios aufspielende Mannschaft Spaniens mittlerweile eine zweiten großen Titel sichern.





