Home International Championsship

- Erstes Länderspiel, 30.11.1872
von Dietrich Schulze-Marmeling
Am 30. November 1872 wurde in Glasgow das weltweit erste offizielle Länderspiel angepfiffen, bei dem sich Schottland und England gegenüber standen. Im Hamilton Crescent des West of Scotland Cricket Club sahen 3.500 Zuschauer ein torloses Remis.
Auf der britischen Insel entwickelte sich nun ein reger Länderspielverkehr. Bis zum 6. Juli 1906, als die englische Nationalmannschaft Österreich in Wien mit 6:1 besiegte, spielte England ausschließlich gegen Schottland (37mal), Wales (30mal) und Irland (27mal).
Insbesondere das Derby England gegen Schottland entwickelte sich zum Zuschauermagneten. 1902 wurde die Begegnung im Glasgower Ibrox Park von 68.114 Zuschauern verfolgt. Kurz nach dem Anpfiff brach eine Holztribüne ein. 26 Zuschauer wurden getötet, 500 verletzt. 1906 kamen erstmals über 100.000 zum britischen Derby ins schottische Nationalstadion Hampden Park. 1937 wurden dort sogar offiziell 149.547 gezählt, die einen 3:1-Sieg der Heimmannschaft über England sahen.

- Hampden Park
Glasgow war die weltweit erste Fußballmetropole. Hier standen mit Celtic Park, Ibrox Park und Hampden Park die drei größten Stadien der Welt, in denen addiert 300.000 Zuschauer Platz fanden. Hampden Park, Heimat des berühmten Amateurklubs Queen’s Park, war bis zur Eröffnung des Maracana Stadions in Rio de Janeiro (1950) die weltweite Nummer eins.
1883 hatten die Verbände Englands, Schottlands, Wales und Irlands mit der Home International Championship das weltweit erste Länderturnier eingeführt. Das Turnier korrespondierte mit der Gründung des International Football Association Board (IFAB), der ersten supranationalen Institution des Fußballs, sowie der Formulierung eines einheitlichen Regelwerks für die vier britischen Verbände. Der 1886 gegründete IFAB war gewissermaßen ein Vorläufer der Fédération Internationale de Football Association (FIFA) und Großbritanniens „eigener Weltfußballverband“.

- Home International Championship Trophäe
Die Britische Meisterschaft wurde bis zu ihrem Ende 1984 88mal ausgespielt. Da die britischen Verbände die ersten drei WM-Turniere 1930, 1934 und 1938 verschmähten und von 1928 bis 1946 auch der FIFA den Rücken kehrten, war die eigene Meisterschaft jahrzehntelang für Engländer wie Schotten der Höhepunkt ihres internationalen Fußballkalenders.
Am 25. November 1953 unterlag England auf dem heiligen Rasen des Wembleystadions dem "Wunderteam" Ungarns mit 3:6. Die Magyaren um Puskas und Co. zerstörten den Glauben an die unsterbliche Überlegenheit des "Mutterlandes". England hatte den Anschluss an die Entwicklung auf dem Kontinent verloren. Viele Jahre galt der Sieger der britischen Meisterschaft als „heimlicher Weltmeister“, insbesondere vor dem Ersten Weltkrieg, als der Kontinent noch hinter den Engländern und Schotten hinterherhinkte und diese als Lehrmeister betrachtet wurden.

- Nordirisches Team 1983/84
1964 nahm England erstmals an der EM teil, womit das britische Turnier neben der WM einen weiteren Konkurrenten erhielt. Je mehr England zu einem FIFA-Land wurde und sich international integrierte, desto geringer gestaltete sich sein Interesse an einer Fortsetzung der Home International Championship. Die britische Meisterschaft wurde letztmalig 1983/84 ausgespielt. Der Sieger hieß Nordirland, weshalb die Trophäe auch noch heute in den Räumen der IFA im Belfaster Windsor Park zu besichtigen ist.





