Fanpreis

Trainer Baade

Platz 8 easyCredit-Fanpreis 2016

Von Aljoscha Pause

Begründung: Trainer Baade

von Aljoscha Pause

"Come as you are", dichtete einst Kurt Cobain, und da Frank Baade aus Duisburg gerne Klartext spricht, erkor er diesen Satz aus dem Nirvana der Popkultur, der gleichsam Leitmotiv des Ruhrgebietes sein könnte, auch zu seinem Lebensmotto. Zwar verbirgt sich der Diplom – Psychologe Frank Baade als Fußball-Blogger seit 2005 hinter einer Kunstfigur, seinem Alter Ego Trainer Baade. Doch das ist auch schon alles an Versteckspiel.

Mit scharfem Verstand und dem Blick für Widersprüche nennt er Missstände beim Namen. Er seziert Abseitiges, nimmt sich Zeit für Skurrilitäten und Nebenschauplätze. Er tritt einen Schritt zurück, entlarvt die grassierende Seichtheit und taucht tief ein in den Ozean seiner ganz subjektiven Fußball-Wahrnehmung. Manchmal motzig, meist empathisch, doch immer kurzweilig und ironisch schaut er auf die Absurditäten des Geschäftes. Dabei bleibt er differenziert, sogar distanziert. Was allerdings nicht auf mangelnde Leidenschaft zurückgeführt werden kann. Schon früh hat "Trainer Baade" mit der Nationalmannschaft gefiebert. Lange bevor sie "Die Mannschaft" und er der "Trainer" wurde. "Das hatte für mich nichts mit Nationalismus zu tun. Es war einfach meine Mannschaft", schreibt er in seinem Blog. Tränen vergoss er dabei nur ein einziges Mal, während seiner ersten Sofa-WM-Teilnahme 1982, im zarten Alter von 8 Jahren. Deutschlands Rumpelfüßler 1.0 hatten in der Vorrunde kläglich gegen Algerien verloren. Nur wenige Wochen später düpierte er die Skatbrüder seines Vaters, als er kühn die Unsumme von 5 Mark auf einen deutschen Finaleinzug gegen Frankreich setzte – und gewann. Frühes Leiden, frühe Triumphe. Er hatte sein Herz an diese launenhafte Truppe verloren, was ihn, jahrzehntelang, selbst nachts für "seine" Mannschaft aufstehen ließ.

Glaubt man seinem Blog, endete diese Liebe allerdings jäh im Sommer 2014: "Jetzt, nach dem WM-Sieg, bin ich angekommen. Jetzt brauche ich nichts mehr. Dieser WM-Titel hat mich satt gemacht", diagnostizierte er sich selbst, wahrscheinlich nicht ganz ernst gemeint, eine unerwartete Ernüchterung. Nur um kurz darauf vielmehr den "Bierhoff"schen Sermon, die langweiligen Jungspunde und den drölfsten Mercedes-Spot" als Wurzel seiner DFB-Verdrossenheit auszumachen. Gott sei Dank war diese Ermattung nur von kurzer Dauer. So dürfen wir auch weiterhin die Fußballwelt mit seinen Augen sehen. Ob in seinem Blog, auf Twitter, als Kolumnist für 11Freunde oder DIE ZEIT oder bei einer seiner Lesungen unter dem Titel "Drama – Queens in kurzen Hosen". Wenn sich mal wieder die falschen Leute im richtigen Spiel zu wichtig nehmen, können wir darauf vertrauen, dass Trainer Baade unsere kleine Fußballwelt unaufgeregt und pointiert wieder in Ordnung bringt. Einfach, weil er sagt, was er denkt und weil er so bleibt wie er ist.

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