Fußballbuch

Fußballbuch des Jahres 2009 - "Keine Kunst" von Péter Esterházy

Platz 1 2009

Mit seinem Werk "Keine Kunst" konnte Péter Esterházy sich gegen eine starke Konkurrenz durchsetzen, und bekommt den MAX für das Fußballbuch des Jahres 2009 verliehen.

Péter Esterházy: Keine Kunst

von Jürgen Kaube (F.A.Z.)

Dieser Mann muß jetzt endlich einmal einen Fußballpreis bekommen. Die Literaturpreise hat er ja praktisch schon alle, bis auf einen, und den wird er auch noch kriegen. Seine „Deutschlandreise im Strafraum“ hat es bei der Akademie 2006 immerhin auf den dritten Platz gebracht. Ja gut, damals stand noch Valdano auf dem Platz. Aber jetzt hat Péter Esterházy seine Mutter eingewechselt. Seine Mutter, die Fußballbücher hasst, weil sie von alternden Männern geschrieben würden, Kitsch oder Klugscheißerei. Seine Mutter, Lili, die Puskás und Bozsik noch als pubertäre Bolzer kennt und ihnen damals – „meine Herren, bitte linsen Sie nicht" – ihre Seidenstrümpfe für das Lumpen-Ei lieh, mit dem sie hinter der Traktorenfabrik spielten.

Seitdem war – vor ihren Kindern, ihrem Mann und Gott – die höchste Leidenschaft von Lili Esterházy der Fußball, und Puskás seinerseits tat einen Moment lang so, als gäbe es etwas auf der Welt außer dem Fußball, das er ernst nahm, aber das gab es nicht. Später bewahrt Puskás, der dem Stalinisten mehrfach die Stirn bot – „Ist gut, Chef“, sagt er zum Generaloberst Farkas, dem gefürchteten Säuberer, „Sie können den Czibor sperren lassen, aber dann spielen Sie den Linksaußen“ –, später bewahrt er die Esterházys vor der Deportation.

Die Mutter bewahrt den Sohn vor dem Nostalgiesumpf der „Trauma von 1954“-Literatur. Das ist ödipale Prosa ersten Ranges. Der Sohn liebt die Mutter, die Mutter aber liebt, denkt der Sohn, nur den Fußballspieler in ihm. Ballsport als komisch-ergreifendes Familienschicksal. Eine Huldigung an das, was ein Spiel in der Wirklichkeit zu bedeuten vermag. Ich bin dafür, dass Péter Esterházy diesen Preis für seine Mutter entgegennehmen soll. Sie war, und wäre sie noch so erfunden, der grösste Fan aller Zeiten.

Péter Esterházy: Keine Kunst
Berlin, 2009
Berlin Verlag
253 Seiten
Preis: 22 €
ISBN 978-3-82700-815-2

Der Akademie-Hauptsponsor easyCredit stiftet, wie auch bei den letztjährigen Verleihungen, den mit 5000 € dotierten Preis.

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