Die besten elf Choreografien

1. Platz: 1. FC Kaiserslautern

1. FC Kaiserslautern – VfB Stuttgart 3:3 12. Spieltag – 13. November 2010 Fritz-Walter-Stadion: 46.904 Zuschauer

"Fritz-Walter-Choreografie"

Gemessen am Materialaufwand gab es in der Saison 2010/2011 sicherlich Choreografien, die noch um einiges komplexer und anspruchsvoller waren. Ein verdienter Sieger ist die „Fritz-Walter-Choreografie“ trotzdem. Die Jury der Akademie jedenfalls zeigte sich von diesem Kurven-Kunststück fasziniert: Acht von dreizehn JurorInnen setzten sie in ihrem persönlichen Ranking auf Platz eins, und Punkte heimste sie auch von allen anderen ein. Damit gilt, und nicht nur für 2010/2011: „Für immer in Ehren – Fritz Walter und sein Stadion“!
Eine ausführliche Betrachtung der Siegerchoreografie finden Sie hier.


2. Platz: Borussia Mönchengladbach

Borussia Mönchengladbach – 1. FC Nürnberg 1:1, 1. Spieltag – 21.8.2010, Stadion im Borussia-Park: 42.202 Zuschauer

„So ist es schon seit Opas Zeit – Schwarz-Weiß bis in die Ewigkeit“


Groß – Klar – Deutlich. Vergangenheit und Gegenwart des VfL Borussia wird von den Anhängern in einer imposanten Leistungsschau auf den Punkt gebracht. Ober- wie Unterrang beteiligten sich an der Choreografie gleichermaßen, die Farben passen zudem zum Verein wie auch zum Motto: „So ist es schon seit Opas Zeit – Schwarz-Weiß bis in die Ewigkeit“. Nach einem umstrittenen Fahnenraub durch Fans des 1. FC Köln gründeten sich die Ultras Mönchengladbach neu und nannten sich fortan „Block 1900“. Unter diesem Namen mobilisierten sie bei der Partie gegen den 1. FCN mehr als 20.000 Kurvenbesucher. Der Fan-Beitrag zum 110. Vereinsjubiläum des VfL Borussia war mehr als sechs Minuten lang auf den Tribünen zu sehen. Hunderte Arbeitsstunden waren im Vorfeld nötig, um Vorhänge und Fahnen zu malen und zu basteln. Seile mussten am Stadiondach befestigt werden. Um die großen Spruchbänder zu montieren, waren aufwändige Vorrichtungen auf der Tribüne zu installieren. Eine mehr als beeindruckende Leistung.


3. Platz: Hamburger SV

Hamburger SV – FC St. Pauli 0:1, 21. Spieltag – 16.2.2011, Imtech-Arena: 57.000 Zuschauer (ausverkauft)

„Hamburg bleibt auf ewig Schwarz-Weiß-Blau“


Gleich drei Tribünenränge spielen hier zusammen. Thema der HSV-Fans sind vor dem innerstädtischen Vergleich gegen den FC St. Pauli die Langlebigkeit des Bundesliga-Dinos und die Vereinsgeschichte voller Titel und Trophäen – Name, Geschichte, Tradition, Erfolge‘. Eine klassische Inszenierung eben – wie man es von echten Hanseaten erwarten darf. Genutzt hat es freilich wenig, denn der Sieg ging letztlich an den kleinen Kiez-Klub, der darauf 34 lange Jahre hatte warten müssen.


4. Platz: Borussia Dortmund

Borussia Dortmund – Eintracht Frankfurt 3:1, 34. Spieltag – 14.5.2011, Signal-Iduna-Park: 80.720 Zuschauer (ausverkauft)

„Deutscher Meister 2011“


Schwarz-gelber Freudenrausch im Dortmunder Stadion: Die Fans der Borussia erweisen sich mit ihrer Huldigung als belastbare und ausdauernde Einheit. Die Meisterschale, Vereinsfarben, Banner und die Mannschaft zierten die Südtribüne – meisterlich ging es in Dortmund während der Saison 2010/11 eben nicht nur auf dem Platz zu, sondern auch auf der Tribüne. Verantwortlich für den nun auch Champions-League-tauglichen Aufwand: die 2005 gegründete Fan-Gruppierung „Jubos Dortmund“.


5. Platz: 1. FC Köln

1. FC Köln – Borussia Dortmund 1:2, 8. Spieltag – 15.10.2010, Rhein-Energie-Stadion: 50.000 Zuschauer (ausverkauft)

„Unser Verein, unsere Liebe, überstrahlt alles und jeden“


Die Liebe eines echten Kölners zu seinem FC fällt hin und wieder doch etwas unkritisch, doch meist sehr hingebungsvoll aus. Leidenschaftlich und ‚strahlend‘ echt ist sie fast immer. Was die Anhänger hier vor dem Spiel gegen den BVB auf die Tribüne zaubern, ist dann auch ganz großes Kurven- Kino! Eine sehr aufwändige Choreografie, die im Flutlicht besonders zur Geltung kam. Mit glitzernden Tafeln in Silber und Rot wurden im Oberrang die Strahlen dargestellt, in die ein Wappen des 1. FC Köln als ‚aufgehende Sonne‘ hineingezogen wurde, während sich der Unterrang blockweise mit roten und silbernen Streifen präsentierte. Die Kölner „Wilde Horde 1996“ steckte zahllose Stunden an Arbeit in die Vorbereitung und gab insgesamt mehr als 8.000 e für das Material aus.


6. Platz: 1. FSV Mainz 05

1. FSV Mainz 05 – FC St. Pauli 2:1, 34. Spieltag – 14.5.2011, Bruchwegstadion: 20.300 Zuschauer (ausverkauft)

„Abschied vom Bruchweg-Stadion“


Ein allerletztes Mal sind Anhänger und Mannschaft an der alten Wirkungsstätte am Bruchweg beieinander – und prompt macht das ganze Stadion mit beim Abschied vom gemeinsamen Schmuckkästchen. Viele unterschiedliche Elemente und die verbindende Idee des Umzugs machen diese Inszenierung zu etwas ganz Besonderem. Vorbild für die szenische Umsetzung dieses emotionalen Moments war für die Mitglieder der „Meenzer Metzger“, der Ultra-Szene Mainz und der angeschlossenen Fanclubs die Choreografie zum 100-jährigen Jubiläum des Bruchwegstadions. Die Vorbereitungen liefen bereits Monate zuvor an, finanziert wurde die Groß-Inszenierung u.a. durch den Verkauf von T-Shirts sowie Spenden. Bis weit in die Nacht vor dem Spiel wurde noch gearbeitet, tags darauf war schließlich auf jedem Sitzplatz ein Farbblatt ausgelegt, auf der Südtribüne wehten rund 7.000 selbst fabrizierte Fahnen.


7. Platz: Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt – 1. FC Kaiserslautern 0:0, 25. Spieltag – 5.3.2011, Commerzbank-Arena: 49.400 Zuschauer

„Wir werden euch den Teufel schon austreiben"


Hier werden alle Register gezogen, sogar ein Offenbacher Jury-Mitglied musste zugeben, beeindruckt zu sein. Auch aus den Lauterer (!) Fan-Foren gab es Respektsbekundungen in Richtung Hessen. Die Anwesenheit der ‚Roten Teufel‘ animierte die Eintracht-Fans zu einem riesigen Banner, wasserfallähnlichem Konfetti und einem sehr abwechslungsreichen Farbenspiel. Die Ultras aus der Main-Metropole sammelten so bundesweit Pluspunkte und sorgten für eine der imposantesten Choreos des Jahres. Doch so spektakulär die Sache auch ausfiel – das folgende Spiel konnte da nicht leider nicht mithalten. Endstand nach schwachem Verlauf: 0:0. Das Beste kam hier eben gleich zu Beginn …


8. Platz: VfL Wolfsburg

VfL Wolfsburg – TSG 1899 Hoffenheim 2:2, 17. Spieltag – 18.12.2010, Volkswagen-Arena: 24.512 Zuschauer

„Wir lassen euch nicht im Regen stehen“


Eine kleine, aber feine Idee aus der Autostadt. Es geht um den Klassenerhalt, es geht um den Zusammenhalt zwischen Fans und Team, den die Supporters Wolfsburg auch von Seiten der Spieler einfordern. Der Einsatz der Regenschirme ist kein gänzlich neues Stilelement auf deutschen Tribünen, und Vorbild waren hier auch Aktionen argentinischer Stadiongänger. Schon bei der großen Fan-Demonstration 2010 in Berlin konnte die Wolfsburger Abordnung mit einer ähnlichen Choreografie auf den Straßen der Hauptstadt überzeugen.


9. Platz: FC St. Pauli

FC St. Pauli – Hamburger SV 1:1, 4. Spieltag – 19.9.2010, Millerntor-Stadion: 23.794 Zuschauer (ausverkauft)

„Welcome to the Hell of St. Pauli“


Die „Hölle von St. Pauli“ ist keine klassische Choreografie, sondern eher ein ‚Intro‘ – eine Einlaufzeremonie. Der Stimmung am Millerntor schadete es jedoch keineswegs: Unterstützt von der klassischen Einlaufmusik der Australier von AC/DC („Hells Bells“), mit Ballons, Papptafeln und Fahnen war es ein ziemlich mitreißendes Spektakel, das in seinen besten Augenblicken einen Hauch lateinamerikanischer Tribünen-Atmosphäre herbeizauberte.


10. Platz: FC Schalke 04

FC Schalke 04 – 1. FC Nürnberg 1:1, 24. Spieltag – 26.2.2011, Veltins-Arena: 61.431 Zuschauer

„Felix: Gefällt uns nicht mehr“


Diese Aktion der Schalker Fans ist gleichfalls nicht als lupenreine Choreografie zu werten. Doch Kreativität, Zeitgeist und kritische Haltung der Gelsenkirchener Anhänger wurden anhand der Facebook-Image-Kampagne des damaligen Noch- Trainers Felix Magath herausgefordert und landeten mit einer bundesweit beachteten Wirkung einen Volltreffer. Es war einer der Höhepunkte des Zwists um den illustren Coach, der den Verein eine Zeitlang zu spalten drohte. Aus diesem Grund fand der Schalker Fanprotest auch Eingang in diese Rangliste. Der Jury gefiel’s.


11. Platz: 1. FSV Mainz 05

1. FSV Mainz 05 – 1. FC Kaiserslautern 2:1, 3. Spieltag – 12.9.2010, Bruchwegstadion: 20.300 Zuschauer (ausverkauft)

„Wir bringen euer Herzblut dar, auf diesem heiligen Altar“


Und noch einmal geht es an den Mainzer Bruchweg: Hier steckt richtig viel Arbeit und ‚Herzblut‘ drin. Die Mainzer ‚Ureinwohner‘ haben keine Mühen gescheut, den Lebensmuskel des 1. FC Kaiserslautern auf dem Altar der sportlichen Rivalität zu opfern. Das alles mit Motto, Großfiguren, indianischem Tempel und einem blutrünstigen Hohepriester. Passend zum Topos der Choreografie zeichneten die „Meenzer Metzger“ für die Aufführung verantwortlich – eine seit 1999 bestehende Fan-Initiative, die immer mal wieder durch große Choreografien und kritische Distanz auffällt – zu Kommerz im Fußball und sogar zu negativen Trends in der Fan-Szene.


Sämtliche Bilder © imago

Hier geht es zur kompletten Vorauswahl und der Jury


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