Platz 10 Fußballbuch 2007
Literatur Fußballbuch

Von Athen nach Althen

Die Fanzszene von LOK Leipzig zwischen Europacup und Kreisklasse (2006)
Platz 10 Fußballbuch des Jahres 2007
SDV Verlagsges.
23,90 Euro

Rezension zu: Von Athen bis Althen

Philipp Köster

Es ging Lokomotive Leipzig schon mal besser. Schließlich stand der Klub einst im Europacup-Finale in Athen. Es ging Lokomotive aber auch schon schlechter, vor drei Jahren fing der Verein in der 11. Liga ganz neu an. Pätzug und Franke begleiten die Lok-Anhänger auf dieser mitunter bizarr anmutenden Achterbahnfahrt von den Glanzzeiten in den Siebzigern bis in die Bezirksliga Leipzig, in der der Klub inzwischen kickt und verzichten dabei konsequent auf jenen einschläfernden Duktus, der solche Zeitreisen sonst gerne begleitet.

Stattdessen jagen die Texte atemlos und hoch unterhaltsam durch die Jahre. Loks Jahre in der DDR-Oberliga zwischen Anarchie und Stasi-Willkür, der Niedergang als VfB Leipzig, die Neugründung nach der Pleite als Lokomotive (Spieler Rene Roßberg: „Meine Freundin wird schreien, aber das war besser als Sex“) - all das beschreibt das Buch in fesselndem Stil und mit Sinn für die gute Pointe selbst in tragischen Situation, wie dem Verhör eines Lokisten durch zwei Stasi-Offiziere, die ihn zur Denunzierung anderer Anhänger zwingen wollten: „Sie haben mit dieser Person geredet. Wie ist denn der Name? - Weeß ich doch nicht! Na, ich kenne die Leute nur mit ´m Spitznamen! - Dann nennen Sie uns die Spitznamen!“ - Der hier nennt sich R! - Wollen Sie mich verarschen? Der Mann arbeitet mit ihnen zusammen im Kollektiv. Da werden sie jawohl den Namen wissen! - Ach so, stimmt. Scheiße, ja...“ Der Lokist resümiert: „Die wollten mich unbedingt weich klopfen. Aber nicht mit mir.“ Was auch ein schöner Titel für das Buch gewesen wäre:

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