Platz 1 Fußballbuch 2014
Literatur Fußballbuch des Jahres

The Beautiful Game

Fußball in den 1970ern (2014)
Platz 1 Fußballbuch des Jahres 2014
Herausgeber: Reuel Golden
Taschen
Verlagsinfo
39,99 Euro
978-3-8365-5481-7

Die Rezension: The Beautiful Game

Jürgen Kaube

Natürlich war früher alles besser! Wann denn sonst? Johan Cruyff zum Beispiel war unsterblich, die Deutschen gegen die ehemalige Sowjetunion 1972 das beste Team aller Zeiten, es wurde noch geraucht auf’m Trainingsgelände und auf der Trainerbank, die Spieler, also George Best jetzt, besaßen Modeläden, Reiseunternehmen und Nachtclubs, nicht bloß Aktien. Wir sprechen von den kaugummikauenden Siebzigern, die von der WM in Mexiko eröffnet wurden, so wie dieser fabelhafte Bildband, in dem die schönsten Fußballfotografien jenes Jahrzehnts versammelt sind. Pelé war noch da, Fachetti, Bobby Moore – sagenhaft das Foto mit seiner Frau im Nationaltrikot, aber besser noch Kenny Dalglish mit nicht seiner Frau im Pub - und Bobby Charlton. Leider auch Boninsegna. Bei Liverpool spielte einer, der ein abgeschlossenes Hochschulstudium hatte (bei Frankfurt auch), Breitner posierte mit Mao-Bibel, die Spieler auf Ford Coronas. Allmählich übernahmen damals die Ausrüster und Sponsoren das Geschäft, die Spieler – na, ja, einige Spieler, Horst Dieter Höttges nicht – meinten, sich ein Image schuldig zu sein und zeigten sich in etwas, das sie für Mode hielten, oder mit den Rolling Stones. Oder Berti Vogts lesend, man kann aber leider den Titel nicht erkennen. Reuel Golden hat Bilder, anonym geschossene und solche von prominenten Fotografen (Harry Benson, Sven Simon, Andy Warhol), bekannte und selten gesehene, aus allen Fußballwelten versammelt: Training, Spiel, Kabine, Autogrammstunde, Homestory. Nur die Fans sind etwas unterrepräsentiert. Aber das waren eben auch die Siebziger: dass die Linse fast durchweg Richtung Spieler zeigte. Die Epoche, die mit dem Karriereende Pelés – samt Verlängerung bei Cosmos New York – begann, endete mit dem Aufstieg Maradonas, den man auf Bildern von 1979 kaum wiedererkennt. Wer das alles erlebt hat, wird nur darum nicht sentimental, weil alles natürlich auch furchtbar peinlich war, ästhetisch jedenfalls. Und der Fußball langsam. Herrlich langsam. Was man naturgemäß auf Fotos nicht sieht, höchstens an den Abständen der Spieler voneinander. Alle anderen werden nicht nur darüber staunen: So sah das mal aus?

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