Platz 1 Fußballbuch 2013
Literatur Fußballbuch Fußballbuch des Jahres

Spieltage

Die andere Geschichte der Bundesliga (2013)
Platz 1 Fußballbuch des Jahres 2013
© Bild: ©Gunnar Knechtel
Piper
Verlagsinfo
19,99 Euro
978-3492055925

Rezension: Spieltage

Philipp Köster

Eine Geschichte der Bundesliga, wo sie doch gerade 50 Jahre geworden ist? Viele sind auf diese Idee gekommen und haben sich dabei mühsam an Jahreszahlen, Pfostenbrüchen und dem Mikrofon von Günther Koch festgeklammert. Ronald Reng ist einen anderen, spannenderen Weg gegangen. Sein Protagonist ist keiner der ganz Großen, kein Torschützenkönig, kein Ehrenspielführer, sondern Heinz Höher, »ein heute weitgehend unbekannter Fußballspieler und- trainer« wie Reng selbst schreibt.

Die Älteren mögen sich an ihn erinnern, den Spieler bei Leverkusen und Trainer beim VfL Bochum. Höher hat die Bundesliga von Anfang begleitet, mit ihm, seinen Erzählungen und Aufzeichnungen als Geländer gelingt Reng eine temporeiche, packende, authentische Geschichte der Bundesliga. Der Leser ist hautnah dabei, wenn Höher, obwohl bereits als Bundesligatrainer gut situiert, auf einer Bahnhofsbank übernachtet, wie er ein Kinderbuch schreibt und wie er unter dem fiktiven Namen Günter Traube Leserbriefe an die ortsansässige Zeitung »Ruhr-Nachrichten« schreibt, um sich über die »infame Berichterstattung« über den Trainer Heinz Höher auszulassen. Das klingt stark nach einer Bundesliga-Geschichte von unten und das ist sie auch, gleichwohl verliert Reng auch die großen Aufreger, Skandale, tektonischen Verschiebungen nicht aus dem Auge. Weder den Gladbacher Rausch Anfang der Siebziger, noch den Aufstieg des FC Bayern zum Branchenprimus, noch den Dortmunder Größenwahn um die Jahrtausendwende.

All das gemeindet Reng ein, in eine große, atmosphärisch dichte Erzählung, in deren Verlauf er sich nie, und das ist ein weiterer großer Vorzug, zu sehr gemein mit der Weltsicht seines Protagonisten macht. Wenn Reng etwa die legendäre Spielerrevolte beim 1.FC Nürnberg beschreibt – die ein ungewöhnliches Ende nimmt, weil das Präsidium ausnahmsweise mal zum Trainer hält –, darf der damalige Präsident Gerd Schmelzer gestehen, dass ihm der sperrige Höher zu jener Zeit ziemlich auf die Nerven ging. Und auch sonst schont er Höher nicht, der in seiner querköpfigen Art so ganz anders ist als das Stammpersonal jener Jahre. 50 Jahre Bundesliga, erzählt mit Heinz Höher – Ronald Reng ist für diesen Mut belohnt worden, mit einem herausragenden Buch, dem besten dieses Jahres.

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