Platz 1 Fußballbuch 2008
Literatur Fußballbuch Fußballbuch des Jahres

Ist doch ein geiler Verein

Reisen in die Fußballprovinz (2008)
Platz 1 Fußballbuch des Jahres 2008
Die Werkstatt
Verlagsinfo
16,90 Euro
978-3-89533-596-9

Rezension: Ist doch ein geiler Verein

Ludger Schulze

Zwischen Fußballfan und Fußballfan gibt es ganz gewaltige Unterschiede. Als Fan des FC Bayern München beispielsweise kann man die schwarzen Tage der Niederlage in einer Saison an einer Hand abzählen. Hängt das Herz jedoch, sagen wir mal, unheilbar am KFC Uerdingen, sind die schwarzen Tage Alltag: drei Insolvenzanträge in fünf Jahre und so viele Abstiege, dass selbst der Treueste der Treuen stöhnt: „Ich meine, das hier ist richtig Scheiße.“

Christoph Ruf, früher Redakteur des viel zu guten und deshalb gescheiterten Magazins „RUND“, hat eine Reise durch die Provinz angetreten und dabei einige Dörrpflanzen gefunden, die auch schon mal in höchster Blüte standen; Vereine, die aus dem Himmel des großen Fußballs abgestürzt sind bis in die tiefsten Tiefen der Kreisklassigkeit, Vereine also, die außer ihrer Tradition nichts mehr besitzen – abgesehen von Anhängern, die mitunter schon mal so etwas sind wie Sterbehelfer. Ruf ist ein hochspannendes Lese-Buch gelungen mit total verrückten Geschichten voller Lust und Leid. Geschichten wie die von dem Nürnberger Libero Rudi Hannakampf („Bratwurst-Rudi“), der in der Halbzeit nicht in die Kabine trottete, sondern sich im Trikot am Bratwurststand anstellte, um den Wechsel zu seinem Lieblingsklub SpVgg Bayreuth zu erzwingen. Oder die vom Mäzen von Fortuna Köln, Jean „Schäng“ Löring, der seinen Trainer Toni „Tünn“ Schumacher zur Pause vor allen Spielern mit den legendären Worten entließ: „Sie Wichser haben hier nichts mehr zu sagen.“

Das Buch begibt sich auf die Suche nach den Orten, wo der Fußball noch authentisch ist. Dass es dabei auch in Gegenden vorbeigekommen ist, in denen eine gewaltbereite rechte Szene das Vereinsleben diktiert und unterwandert, macht es obendrein zu einer bedrückenden Bestandsaufnahme der politischen Gegenwart.

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