Platz 5 Fußballbuch 2017

Hool

Roman (2016/2017)
Platz 5 Fußballbuch des Jahres 2017
Aufbau Verlag
Verlagsinfo
19,95 Euro
978-3-351-03645-4

Rezension: Hool

Anna Kemper / Die Zeit

Es dauert nicht länger als eine Viertelstunde. 15 Minuten, in denen geschlagen wird und getreten, gebrüllt, gehasst und geblutet. Es sind diese 15 Minuten, für die Heiko lebt. Für das Adrenalin, den Stolz und den Schmerz.

Denn sonst fühlt er nicht viel. Heiko ist Anhänger von Hannover 96, aber ins Stadion geht er nicht mehr, weil er dort, zwischen Ultras und Familienvätern, keinen Platz mehr für sich sieht. Außerhalb des Stadions geht es ihm ähnlich. Nur in diesen 15 Minuten, in der er sich mit seinen Jungs mit anderen Hooligans prügelt, fühlt er sich genau am richtigen Ort.

Philipp Winkler hat ein Buch über Hooligans geschrieben. Und zwar so, dass sich jeder Leser nach der Lektüre fragt: Hat er das alles etwa selbst erlebt? Eine Frage, auf die es keine Antwort gibt, und auch nicht geben muss – denn sie ist selbst das größte Kompliment. Sie zeigt, wie gut sein Buch geschrieben ist, ganz nah an seinem Protagonisten. Winkler erzählt von Freundschaft und Verlust, von Männlichkeit, Gewalt, Liebe und Familie. Das ist selten schön. Aber es wirkt echt. Sonst würde man es auch nicht zu Ende lesen wollen, dieses Buch voller Antihelden, die sich schlagen, Kampfhunde aufeinander hetzen, Anabolika verticken, am Alkohol zugrunde gehen. Eine Geschichte ohne Sieger.

Und was hat das alles mit Fußball zu tun? Vielleicht nicht viel. Der Fußball ist nur eine Folie, die hinter dem Handeln und Erleben der Figuren liegt. Aber die besten Geschichten über den Fußball handeln ja meistens nicht vom Fußball selbst, sondern von Heimatverbundenheit, Identifikation, Romantik, Freundschaft, Tragik oder Euphorie. Sie alle sind oft erzählt worden. Diese Geschichte aber noch nicht. Deshalb ist Philipp Winklers "Hool" für mich das Fußballbuch des Jahres.

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