Nominiert Fußballbuch 2017

Ganz Nürnberg war in einem Rausch

Die Pokalsieger erzählen (2016/2017)
Nominiert zum Fußballbuch des Jahres 2017

Fans vom 1. FC Nürnberg mussten ganze 39 Jahre auf einen Titel warten. In einem dramatischen DFB Pokalfinale am 26.05.2007 schoss Jan Kristiansen das 3:2 in der Verlängerung für den Club. Die Mannschaft durfte anschließend die Trophäe im Berliner Olympiastadion in die Höhe recken.

Nach 10 Jahren besuchten die Autorinnen die Pokalhelden von damals und verfassen ein Werk mit persönlichen Geschichten der Spieler und dem Umfeld. Zusätzlich wurde das Buch mit Fotostrecken und künstlerischen Bildern illustriert. 

Rezension: Ganz Nürnberg war in einem Rausch

Hans Böller

Für die Vorlage ist den 11 Freunden zu danken. Man machte sich ja des Lokalpatriotismus verdächtig, als Nürnberger Juror ein Buch zu nominieren, das dem 1.FC Nürnberg gewidmet ist. Aber das Fußball-Kulturmagazin konstatierte in seiner Rezension, dass es eben kein Buch nur über Nürnberg ist – sondern ein besonderes Fußballbuch.

Das stimmt, es ist sogar ein ziemlich einzigartiges Fußballbuch. Geschrieben, besser: aufgeschrieben haben es zwei Frauen, womit wieder einmal bewiesen wäre, dass Frauen besser zuhören können – in diesem Fall allen Fußballern, die zum überraschenden DFB-Pokalsieg des 1.FC Nürnberg 2007 beigetragen haben. Maren Zimmermann, die Lebensgefährtin des damaligen Trainers Hans Meyer, und die langjährige Club-Pressesprecherin Katharina Fritsch haben die Spieler befragt. Und Geschichten gehört, die selbst für Journalisten, die damals dabei waren, neu sind. (Manche kannte erklärtermaßen nicht einmal Hans Meyer.)

Es sind keine Heldengeschichten, es gibt keine Spur von Pathos, und zu Wort kommen auch die Menschen um das Team herum: Zeugwart, Busfahrer, Physios. Nichts wird verklärt, Gerald Sibon, ein vergessener Pokalsieger, wundert sich über den deutschen Drill ("Sind wir bei der Armee?") im Trainingsbetrieb, der damalige Kapitän Raphael Schäfer erzählt von Meyers durch die Kabine fliegenden Schlüsselbund. Manches klingt naiv, manches nachdenklich, manches frech, manches berührend. Vor allem ist es – und das macht es zu viel mehr als einem regionalen Fußballbuch – die Geschichte einer multinationalen Mannschaft, die gegen Widrigkeiten zu einem Team heran- und über sich hinauswächst. Miteinander spielen: Auch das ist in Zeiten der Skepsis gegen vermeintlich Fremdes eine schöne Botschaft. Man lernt Menschen kennen – und lernt, wie solche Außenseitergeschichten, die die vermeintlichen Gesetzmäßigkeiten der Branche auf den Kopf stellen, funktionieren.

Illustriert werden die Geschichten von Werken überwiegend jüngerer Künstlerinnen und Künstler, die mehrheitlich aus der Nürnberger Kunst-Akademie kommen. Die Zeichnungen, Gemälde und Collagen funktionieren ohne den Text – oder erschließen ihn noch einmal neu, man sieht, wie Fußball inspiriert. Auch sie sind manchmal frech, manchmal naiv, nachdenklich – oder einfach nur richtig schön, der Doppelpass zwischen Fußball und Kunst funktioniert in diesem Fall auf wunderbare Weise. Ein Fußball- und Bilderbuch. Nicht nur für Nürnberg.

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