Platz 7 Fußballbuch 2011
Literatur Fußballbuch

Flachpass

Die Bar im Letzigrund (2011)
Platz 7 Fußballbuch des Jahres 2011

Rezension zu: Flachpass - Die Bar am Letzigrund

Philipp Köster

Was suchen die Menschen beim Fußball? Eine Frage, die in den letzten zwanzig Jahren viel zu selten gestellt worden ist. Sonst gäbe es vielleicht nicht so viele Sitze aus Hartplastik in den Stadien, würden die Anhänger vor dem Anpfiff nicht mit Kirmestechno beschallt und kämen österreichische Getränkehersteller nicht auf die Idee, Fußballklubs zu kaufen.

Andrea Fischer, Christine Steffen, Pascal Claude und Saro Pepe fanden im Jahre 2002, dass die Menschen noch etwas anderes suchen als Videowürfel und Bier aus der Spritzpistole. Sie machten im Zürcher Letzigrund eine Stadionbeiz mit Blick aufs Trainingsgelände auf. Fortan wurde die »Flachpassbar« zum Treffpunkt für Spieler, ihre Familien, Funktionäre und Fans. Vor, nach, während und zwischen den Spielen drängelte man sich am Tresen, unter den Wimpeln und Pokalen, mit denen die Wirte in liebevoller Kleinarbeit die Kneipe dekoriert hatten. Und über die Jahre füllten nicht nur die Menschen, sondern auch die Geschichten die Räume.

Unvergessen, wie die »Flachpassbar« als einzige Kneipe mit polnischem Decoder das Züricher Auswärtsspiel in Warschau übertrug und siebenhundert, achthundert Menschen ein Bierfass nach dem anderen leerten. Wie Gästespieler Marc Zellweger die Aufforderung eines Zürcher Anhängers mit Gebissfehlstellung, doch mal zum Friseur zu gehen, mit dem Hinweis auf einen Besuch beim Zahnarzt konterte. Wie Christian Gross bei der Querung des Lokals in den Hintern getreten wurde. Und wie die Gäste der Fachpassbar den Siegern des Cup-Viertelfinales in Basel einen rauschenden Empfang bereiteten.

Unzählige Geschichten können die Gäste dieser Bar erzählen. Und eben darum erzählen nun die Wirte, Gäste und Freunde der Bar ihre Geschichte. In »Flachpass« setzen sie einer ungewöhnlichen, Herz erwärmenden und mittlerweile mit dem alten Stadion abgerissenen Gaststätte ein Denkmal, literarisch, fotografisch, zeichnerisch .»Es soll zur Frage führen, was die Menschen zum Fußball zieht, heute und in Zukunft. Und wo sie das, was sie suchen, dereinst finden werden«, schreiben Andrea Fischer, Christine Steffen, Pascal Claude und Saro Pepe. Und geben in diesem Buch, so charmant und unaufgeregt, wie es wohl nur Schweizer können, ihre Antwort darauf.

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