Platz 1 Fußballbuch 2012
Fußballbuch Fußballbuch des Jahres Literatur

FIFA Mafia

Die schmutzigen Geschäfte mit dem Welt-Fußball (2012)
Platz 1 Fußballbuch des Jahres 2012
Droemer Knaur
Verlagsinfo
19,99 Euro
978-3426785485

Rezension: Fifa-Mafia. Die schmutzigen Geschäfte mit dem Weltfußball

Jürgen Kaube

Über Thomas Kistners FIFA-Buch muss man nicht viele Worte machen: Die Entwicklung im Weltverband des Fußballs spricht für sich und für das Buch. Kistner hat über Jahre hinweg die Machenschaften der Fußballfunktionäre um João Havelange, Sepp Blatter und ihre vielen Mithelfer verfolgt. Was man darüber wissen kann und was man davon nur ahnt, hat er aufgeschrieben. Kurz gesagt geht es um eine Sportart, die zu viel Begeisterung und zu viel Einkommen generiert, also zu viele Wirtschaftsinteressen auf sich zieht und zu viel öffentlichen Enthusiasmus hervorbringt, um nicht auch politisch bedeutsam zu sein – und in der die entsprechenden Verteilungsentscheidungen (über WM-Standorte, Fernsehrechte, Reklamepartnerschaften etc.) an so wenigen Personen hängen, dass Korruption fast vorprogrammiert erscheint.

Wie sie sich vollzieht, wer an ihr beteiligt ist und wie unverschämt es in der Welt der Fußballfunktionäre auf oberster Ebene zugeht, verschlägt einem bei der Lektüre trotzdem den Atem. Kistners Buch ist, was die Engländer einen ‚page-turner‘ nennen: eine Mischung aus Reportage, Analyse, Recherche, Hörensagen-Bericht und Porträt, die man wie einen Agenten-Thriller liest und die den Leser informiert, ratlos, zornig sowie grimmig lachend zurücklässt. Es zeigt, wie eine Weltorganisation im Griff einer Bande rücksichtsloser Schlaumeier ist, die sich immer wieder nationalen Gerichten und internationaler Überprüfung entzieht, die abenteuerlichsten Coups zustande bringt und stets als großen Trumpf ausspielen kann, dass auf dem Rasen von all dem nichts mehr wahrgenommen wird.

Insofern ist Kistners Buch auch ein Korrektiv: Es beugt der Selbsttäuschung vor, dass der Weltprofifußball das ist, was wir im Fernsehen oder im Stadion sehen. Vom moralischen Impuls getragen, dass der Sport bessere Funktionäre und weniger Verlogenheit verdient, hat hier einer entsagungsvoll von all dem abgesehen, was den Fußball erfreulich macht, um auf die loszugehen, die ihn ausbeuten. „Der Sepp heiligt die Mittel", hat die Süddeutsche Zeitung neulich in schönem Sarkasmus getitelt – Kistners Buch verdient jeden Preis, weil es der Scheinheiligkeit in die Parade fährt.

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