Platz 6 Fußballbuch 2014
Literatur

Falsches Spiel

Roman. Übers. von Franz, Claudia (2013)
Platz 6 Fußballbuch des Jahres 2014
Goldmann Verlag
Verlagsinfo
8,99 Euro
978-3-641-11831-0

Die Rezension zur Nominierung

Birgit Schönau

Wie traurig, dass diese kleine Rezension jetzt wie ein Nachruf daher kommen muss. Und dann ausgerechnet für Giorgio Faletti, diesen auch für italienische Verhältnisse so vielseitigen und vitalen Künstler, der am 4. Juli im Alter von 63 Jahren gestorben ist. Ein kurzes aber übervolles Leben: Faletti, der aus dem norditalienischen Piemont stammte und seiner Heimat immer verbunden geblieben ist, war studierter Jurist, Sänger und Komponist, Schauspieler und Kabarettist und schließlich auch noch Schriftsteller. In allen künstlerischen Bereichen war er erfolgreich. Faletti schrieb Lieder für den Folk-Poeten Angelo Branduardi und für die Chanson-Diva Mina, er trat aber auch selbst beim Schlagerfestival von San Remo auf. 1994 erreichte er Platz zwei mit einem Song über die Mafia-Attentate auf die beiden berühmtesten italienischen Richter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino. Ein Schlaganfall 2002 konnte ihn nicht aufhalten – er spielte in Kinofilmen, vor allem aber schrieb er Bücher, von denen die meisten Bestseller wurden.

„Falsches Spiel“, 2011 in dem renommierten Literaturverlag ‚Einaudi‘ und 2014 auf Deutsch erschienen, ist ein kleiner Roman über die Abgründe des Fußballs in der Provinz, vor allem aber über die Beziehung zwischen Vater und Sohn. Der Vater, ehemals Boxer, jetzt Trikotwart im Fußballverein des Sohnes, erfährt von einem geplanten Wettbetrug beim entscheidenden Spiel für den Klassenaufstieg. Mit seinem Sohn als Protagonisten in jeder Hinsicht.

Was dann zwischen diesen beiden Männern geschieht, beschreibt Faletti knapp, fast nüchtern, in einer Sprache, die auf folkloristische Elemente verzichtet. Claudia Franz hat sehr nah am Original übersetzt. Selten ist die Welt der kleinen Provinzvereine mit ihren Fußball-Feudalherren, dem schmierigen Umfeld aber auch dem ehrlichen Ehrgeiz so treffend beschrieben worden, selten wurde das Thema Fußballwetten – ein Dauerbrenner in Italien – derart exakt und lakonisch beleuchtet. Das Glück mittels Betrug herauszufordern, heißt immer, einen hohen Preis dafür zu zahlen. Das ist Falettis Botschaft, aber sie kommt nie moralisch herüber. Ein Roman über die Brüchigkeit der selbstverständlichsten Beziehungen und das hartnäckige Schweigen der Männer. Sowie über die raue Wirklichkeit unterklassigen Fußballs: Keine Welt für Helden.

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