Platz 12 Fußballbuch 2008
Literatur Fußballbuch

EM 2008

Die besten Bilder und Geschichten der Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz 2008 (2008)
Platz 12 Fußballbuch des Jahres 2008
Klaus Hoeltzenbein, Süddeutsche Zeitung
14,90 Euro

Rezension zu: Euro 2008

Hans Böller

Der Gaukler fliegt heim“, steht über dem Kapitel, es geht um Portugal und seinen schönen Traum. Ronald Reng schreibt: „Cristiano Ronaldo und sein Team leben eine zauberhafte Illusion – leider gewinnt man so keinen Titel.“  Wer Reng noch einmal liest, versteht wieder, warum Portugal wieder nicht gewonnen hat. Man kann Reng aber auch einfach so noch einmal lesen. Weil es Reng ist. „Spaniens Fußball ist nicht die Zukunft, sondern der Zauber für den Moment“, schreibt Reng über den neuen Europameister. Und eigentlich würden diese beiden Artikel schon reichen, um das Buch zu einem besonderen zu machen. EM 2008, der jüngste Band aus der Edition der Süddeutschen Zeitung, herausgegeben vom bewährten Duo aus Ludger Schulze und Josef Kelnberger, ist nicht nur ein sehr schönes Buch über die Europameisterschaft in Österreich und in der Schweiz. Sondern ein sehr gutes Buch über Fußball.

Birgit Schönau, die geniale Wahl-Römerin, zum Beispiel muss man sowieso lieben. Man würde sie auch lesen, schriebe sie über die Aufzucht von Kakteen oder über transzendente Aspekte der Astrophysik. Sie schreibt aber gottlob am liebsten über Italien und den Fußball, beides liebt man noch mehr, nachdem man Birgit Schönau gelesen hat – ihr Aufsatz über Luca Toni, den glücklosen Schnurrbartträger, ist wieder ein Meisterwerk, und eigentlich wünscht man sich, dass Birgit Schönau jedes Jahr ein ganzes Buch über Italien und seinen Fußball schreiben würde. Oder besser zwei. 

Man könnte noch lange weiterloben. Klaus Hoeltzenbeins charmante Annäherung an das österreichische Wesen.  Jürgen Schmieders  kurzweilige Verabschiedung des Europameisters Griechenland.  Einen überragenden Neuzugang im Autorenteam, nämlich Moritz Kielbassa mit seinem bewundernswerten Talent, taktische Trends und systematische Neuerungen so kompetent wie unterhaltsam zu erklären.  Das ist das Schöne an diesem Buch: Es versammelt vortreffliche Autoren, die nicht nur über das Ereignis berichten, sondern Fußball erklären – in allen Facetten; das Spiel, das Geschäft, die Emotionen.

Ausgezeichnete Fotos begleiten die Texte. Wer mal nicht lesen mag, kann durch ein Bilderbuch blättern. Besonders schön: Die Doppelseite 118/119: Philipp Lahm beim Torschuss zum 3:2 über die Türken. Tatsächlich sieht man, wie das Tor gefallen ist. Man sieht es besser als im Fernsehen. Und dann liest man den Text dazu noch einmal. Wie schön, wenn auch beim Fußball ein Buch viel besser ist als Fernsehen.

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