Platz 10 Fußballbuch 2011
Fußballbuch Literatur

Der Brasilianer

Fußball-Roman (2011)
Platz 10 Fußballbuch des Jahres 2011
Oktober Verlag Münster
14,00 Euro

Rezension zu: Der Brasilianer

Matthias Lieske

Den Rekord halten vermutlich die Prignitzer Kuckuck Kickers. Bis zu 16 Brasilianer spielten für den christlich geprägten Verein in der Brandenburg-Liga, bis dieser Anfang 2011 den Spielbetrieb einstellte. Ihnen soll es dort gut gegangen sein, lässt sich diversen Presseberichten entnehmen, aber das ist nicht unbedingt die Regel. Über 5.000 brasilianische Fußballprofis spielen im Ausland, die wenigsten schaffen es zu den Topklubs oder auch nur in die ersten Ligen. Sie landen auf den Färöer-Inseln, wie es Alex Bellos in seinem Buch ‚Futeból‘ berichtete, oder in obskursten Winkeln des europäischen Kontinents, was untere Ligen in Deutschland keineswegs ausschließt.

Gemeinsam dürfte ihnen allen sein, dass sie mit großen Erwartungen in die Welt ziehen und hoffen, irgendwann den Durchbruch zu schaffen, was, je nach Talent, ein Vertrag bei einem renommierten Verein sein kann, oder einfach nur ein gutes Auskommen bei einem soliden Klub. In dieser Welt der enttäuschten Hoffnungen hat Norbert Klugmann seinen Roman „Der Brasilianer“ angesiedelt.

Wolfenbüttel ist zwar nicht Färöer, auch wenn manche Bewohner vielleicht widersprechen werden, aber es ist dennoch nicht der Ort, den sich der sehr talentierte Eduardo als erste Station in Europa vorgestellt hat. Für die zweite Liga hatte er unterschrieben, so glaubte er, gelandet ist er in der vierten, bei einem Verein, der von einem reichen Mäzen nach oben gepusht werden soll.

Was sofort angenehm auffällt an diesem Buch, ist, dass die Charaktere nicht überzeichnet sind. Die Bösen sind nicht übermäßig böse, die Guten nicht extrem gut, und der 20-jährige Eduardo ist zwar ein bisschen naiv, aber nicht sehr. Es ist nicht seine Schuld, dass er schnell erkennen muss, von windigen Spielervermittlern hinters Licht geführt worden zu sein. Er hatte kaum eine andere Wahl, um aus Brasilien hinaus zu gelangen, und erst einmal angekommen bei den Welfen Wolfenbüttel, versucht er, mit Intelligenz und gutem Willen das Beste aus der Sache zu machen. Natürlich entpuppen sich „die Hunnen“, wie er die Deutschen nennt, nicht als die edlen, seriösen Menschen, für die man sie in Brasilien hält, und die Verwicklungen nehmen sehr schnell ihren Lauf.

Auch wenn die Handlung am Ende etwas über Bord geht und ins leicht Märchenhafte abgleitet, ist es eine humorvoll, unterhaltsam erzählte und plausible Geschichte aus den Niederungen des Fußballs, in einem Ort, der zwar nicht hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen liegt, wie ein Spielervermittler zu Beginn versichert, aber für Eduardo doch fast.

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