Platz 3 Fußballbuch 2010
Literatur Fußballbuch

Barça

oder: Die Kunst des schönen Spiels (2010)
Platz 3 Fußballbuch des Jahres 2010

Rezension zu: Barca oder: Die Kunst des schonen Spiels

Jürgen Kaube

Was für ein Verein! Gegründet von einem Schweizer und einem Engländer, groß geworden durch einen Niederländer, noch größer durch einen zweiten Niederländer, am größten – weil endlich in der ewigen Bilanz an Madrid vorbeigezogen – durch Puyol, den Unglaublichen, und Xavi und Iniesta. Der erfolgreichste Torschütze aber: ein Spieler von den Philippinen, Paulino Alcántara, der in 357 Begegnungen zwischen 1912 und 1927 356 Tore schoß. Und das alles in einem Club, den man auch sonst keinen spanischen nennen sollte, weil es ein katalanischer ist und seine Geschichte auch die des Widerstandes gegen Madrid und alles Kastilische. "Guruceta" rufen noch heute die Fans, wenn ein Schiedsrichter ihr Team übervorteilt, denn das war der Name dessen, der im Pokalhalbfinale von 1970 ein Foul drei Meter nach vorne in den Strafraum verlagerte, um Real Madrid, den Club der Francisten, zum Ausgleich zu verhelfen. Was für ein Vereinsgedächtnis!

Dietrich Schulze-Marmeling, der so Verdienstvolle, erzählt die Geschichte dieses herrlichsten und exzentrischsten aller Vereine mit viel Sinn für den gesellschaftlichen, den politischen und den ökonomischen Kontext, aber auch mit viel Sinn für das Entscheidende auf dem Platz, das eine ganze Epoche lang den Namen Cruyff trug, jenen köstlichen Namen der subtilsten und zugleich generösesten historischen Revanche, die jemals genommen wurde: von den Niederlanden für die spanische Besetzung. Dafür haben er und Michels Katalanen den "voetbal totaal" beigebracht, den sie noch heute spielen. Die Spanier hätten es wissen müssen: Schon unter den zwölf Gründungsmitgliedern des FC Barcelona waren sechs Protestanten. Was für schöne Geschichten, was für ein schönes Buch.

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