Platz 2 Fußballbuch 2013
Literatur Fußballbuch des Jahres Fußballbuch

15:30.

Die Bundesliga. Das Buch. (2013)
Platz 2 Fußballbuch des Jahres 2013

Rezension: 15:30. Die Bundesliga. Das Buch

Hans Böller

Die Werbestrategen des Süddeutschen Verlags sind auch nicht besser als die beim Privatfernsehen. „Die Bundesliga wurde für dieses Buch erfunden“, steht in Anzeigen, das ist ein so selten blöder Spruch, wie man ihn nicht einmal bei Pro 7 erwarten würde. Aber das nur am Rande. Die Sportredaktion der Süddeutschen Zeitung und ihre Mitarbeiter, die für dieses Buch stehen, sind natürlich viel besser als das Fernsehen. Man sieht ja seit einem Jahr flimmernde Bilder aus fünfzig Jahren Bundesliga, aber es dauerte nur ein paar Wochen, ehe man der Sache schon wieder überdrüssig war. Mit den Büchern zum Jubiläum war es ähnlich. Man blätterte hinein. Dachte: kennt man schon. Man las, merkte: kennt man schon – und blätterte wieder zu.

Dann kamen zwei Bücher: Ronald Rengs „Spieltage“. Und „15:30 Uhr“, der Band des Süddeutschen Verlages. Zwei Bücher, die dieses Jubiläum herrlich machten, bloß: Welches empfehlen? Langes Hin- und Her-Überlegen. Bis Kollege Köster (mit Reng) schneller war.

Also: „15:30 Uhr“ ist ganz anders als die vielen schnell zusammengebastelten Bilderbücher. Man denkt zwar manchmal natürlich auch: kennt man schon. Dann liest man und merkt: oh, welch Vergnügen. Es ist: neu, ein anderer Aspekt, nicht die x-te Nacherzählung, sondern ein besonderer Blick auf ein besonderes Ereignis, neu belebt um die Perspektive von heute. Was man nie für möglich gehalten hätte: Man merkt, dass man tatsächlich stundenlang gelesen hat – nach einem Jahr, in dem man hauptberuflich schwer mit dem Bundesliga-Jubiläum befasst war. Und, wie schön: ein Interview mit dem großen Gerd Müller, dem Idol der Kindheit. Erinnerungen an Meister Pröpper vom Wuppertaler SV. Lustig: Der Brief der Staatskanzlei, nachdem der neue Bayern-Trainer Otto Rehhagel seine Frau für einen Ministerposten vorgeschlagen hatte. Kaum zu glauben: Die CSU, lustig, und auf einmal merkt man: Kannte man noch nicht. So viel zu finden, was die Wenigsten kannten, ist schon eine Kunst für sich. Die Bilder in dem Band sind prächtig, es ist auch ein großartiges Bilderbuch, und zwei Dinge müssen jetzt auch noch gesagt werden. Es wäre interessant zu wissen, wie viele Sportjournalisten, die heute zwischen, sagen wir, 35 und 55 Jahre alt sind, wohl einst das Vorbild Ludger Schulze hatten? Ludger Schulze ist heute Pensionär, er hat viele Texte für „15:30 Uhr“ geschrieben, das ist wunderbar. Und: Jedes Buch, das Texte von Birgit Schönau enthält, ist ein gutes Buch. Dieses enthält Texte von Birgit Schönau. Und dieses Buch zu erfinden, war eine sehr sehr gute Idee.

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