Literatur

Zwölf Sonderheft- Fankultur

Die Redaktion des Fußballmagazins "Zwölf" bietet Schweizer Spezialitäten, mit kaum Luft nach oben.

Zwölf Sonderheft: Fankultur

120 Seiten , 9 Euro, Heftformat.
Herausgeber:
Zwölf-Verein für Fußball und Kultur, 2012

Das Schweizer Magazin für Fußballkultur hat es geschafft neben dem normalen Veröffentlichungsrythmus von zwei Monaten ein Sonderheft, rechtzeitig zur ebenfalls empfehlenswerten Ausstellung  Fankultur-Szenen aus dem Stadion, herauszubringen.
Eine Publikation die sich ganz mit dem Thema „Fan“ und Fandasein auseinandersetzt.

Und während der deutsche Qualitätsfussballessayismus noch oft die ganz brenzligen Fragen umschippert hat man das Gefühl, dass sich die Autoren diesen 120 Seiten starken Bandes  klar positionieren.

„Das ist ein sehr klares Bekenntnis zum Populismus“, stellt der Autor
der Rubrik „Runder Tisch“, Balz Buchti fest, als eine lebendige Diskussion zum Thema „Sicherheit im Stadion“ in Plattitüden abzuwandern droht.
Alle Redakteure machen es sich nicht einfach, weder verwässern sie das Thema und die einhergehende Problematik, noch flüchten sie sich in ein zu klares und flapsiges „Ja“ oder „Nein“. Das FÜR den Fan wird ausgeleuchtet, ohne dem Leser den Platz zu nehmen sich selbst zu positionieren. Aus der einen, anschaulich gemachten Subjektive wächst die eigene Perspektive.

Show don’t tell.

Neben den Denkanstößen glänzt das kleine Meisterstück Fussballjournalismus auch als Wissenvermittler. Die Young Boys scheinen beispielsweise ein Hipsterrevival innerhalb ihrer Szene zur erleben, der geneigte Leser lernt um die Umstände des Hooliganproblems in den 80ern, die Hierarchie bei den jüngsten Ultras der Schweiz und über die Entfremdung zwischen Medien und Fanbegeisterung. Die  Gewichtung aus Meinungen von Wissenschaftlern wie Thomas Busset oder leid geprüften Fans, Essays, Reportagen und Interviews stimmt. Abgerundet wird das Gesamtergebnis „Fussballlektüre“ noch durch Fotostrecken der Marke faszinierend bis ästhetisch, hinzu kommt dass das Layout dem Inhalt immer dienlich ist und niemals versucht das geschriebene Wort, zu überstrahlen. In den zahlreichen Einblicken einzelner Fan bzw. Clubszenen, werden noch liebevoll, beinah klassisch illustriert.
"Informierter Sinneseindruck" ist man bei der Rubrik „Fankurve“ versucht zu schreiben, denn genau diese Kniffe sind bei Nicht-Kennern der jeweiligen Szene oder des Schweizer Fußballs selbst genau richtig angebracht. Die „Zwölf“-Fankultur Sonderausgabe ist so wie eine Fußballpublikation 2012 sein sollte, unaufdringliche Lektüre von Qualitätsessayismus.  

In den letzten Jahren wurde viel über die Fans berichtet – selten objektiv, selten vielseitig und selten tiefer gehend. Dem soll das Sonderheft «Fankultur» entgegen wirken, indem es für Interessierte wie auch für Fans selber eine breite Palette an Themen behandelt. Das Ziel des Heftes wie auch der Ausstellung ist es, den Dialog zum Thema zwischen den verschiedenen Interessensgruppierungen zu schärfen. Dies gelingt durch die Erläuterung von Zusammenhängen und die Beleuchtung von Standpunkten, die Verständnis schafft und damit die anhaltende Diskussion versachlichen könnte.
Im Zentrum steht dabei die Kurve, zu Wort kommen aber auch jene Akteure, die sich sonst in der Öffentlichkeit kaum eine Stimme haben. So bietet das Heft eine ausgewogene und tief gehende Lektüre, liefert Wissenswertes zur Historie, wagt Blicke über die Grenzen und präsentiert unzählige unveröffentlichte Fotos aus fünf Jahrzehnten Fankultur in der Schweiz.

Informationen zum Heft und Bestellungsmodalitäten finden sich auf der  Magazinshomepage.