WM zu verkaufen

20. Oktober 2010: Korrupte FIFA-Funktionäre

Korruption bei der FIFA – was für eine Überraschung. Die Presse berichtet über die Hintergründe.

Roland Zorn ( Frankfurter Allgemeine Zeitung)  beleuchtet den Poker um die Stimmen zur Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022: „Die vier afrikanischen Stimmen bei der Entscheidung über die Vergabe der beiden Weltmeisterschaften sind diesmal besonders umkämpft, weil Afrika wenige Monate nach der WM in Südafrika wie auch Südamerika (Brasilien richtet 2014 die nächsten Titelkämpfe aus) keinen Bewerber unter den Kandidaten für 2018 und 2022 hat. Um die Weltmeisterschaft in acht Jahren konkurrieren aus Europa die Favoriten England und Russland und, jeweils in einem Joint Venture, Spanien und Portugal sowie Belgien und die Niederlande. Für 2022 treten als erste Anwärter die Vereinigten Staaten und Australien, auf Außenseiterpositionen Japan, Südkorea und Qatar an. Mohamed Bin Hammam, Qatarer, Präsident des Asiatischen Fußball-Verbandes und Fifa-Vizepräsident, hat als einer der mächtigsten Männer im Weltfußball schon angekündigt, dass die besten Bewerber womöglich nicht als Sieger der Abstimmungen nach Hause führen.“

Robert Ide ( Tagesspiegel) schmunzelt über die Rechtfertigungsversuche: „Interessant an dieser Entschuldigung ist allerdings, dass Temarii vor allem seine Wortwahl bereut, nicht aber die grundsätzliche Absicht, seine Stimme für die WM 2018 und 2022 für drei Millionen neuseeländische Dollar anzubieten. Der Nigerianer Amos Adamu, der sich ebenfalls zu einem ähnlichen Angebot hinreißen ließ, wollte sich bislang nicht weitergehend äußern. In der Fifa, die sich immer mal wieder mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert sieht, ist man sich immerhin bewusst, dass der neue Skandal „ein schlechtes Licht auf den Fußball“ wirft, wie es der neuseeländische Funktionär Fred de Jong ausdrückt. Verbandspräsident Blatter, selbst schon öfter mit Mauscheleien in Verbindung gebracht, gibt deshalb sogleich den Aufklärer.“

Wolfgang Hettfleisch erläutert in der  Frankfurter Rundschau: „Adamu ist abgetaucht. Temarii fühlt sich missverstanden, wo nichts falsch zu verstehen ist: Der Mann ist korrupt. Fairerweise sei darauf hingewiesen, dass der Präsident der Ozeanien-Konföderation das Geld einer Fußballakademie in Auckland/Neuseeland zukommen lassen wollte. Auch Adamu ist ein großer Menschenfreund. Er wollte mit der geforderten sechsstelligen Summe für die Stimme Afrikas Kunstrasenplätze anlegen lassen. Damit auch nichts in falsche Hände gerät, solle man ihm die Kohle einfach persönlich aushändigen. Ein Ehrenmann. Sepp Blatter, eigentlich allwissender CEO des Fußballkonzerns, ist geschockt. Bestechliche Fifa-Funktionäre? Das fällt unter ‚Hund beißt Mann‘. Aber so dämliche, das muss bestraft werden! Also greift der Weltenlenker vom Zürichberg unbarmherzig durch indem a.) die Unterlagen des Falls angefordert, b.) das Material unverzüglich analysiert und c.) irgendwann weitere Schritte eingeleitet werden − oder auch nicht.“