Wie unbeholfene Kleingärtner

7. Juli 2011: Der “Fall Birgit Prinz“

Bundestrainerin Silvia Neid und auch der Deutsche Fußball-Bund geraten im “Fall Birgit Prinz“ ins Kreuzfeuer der Kritik

Claudio Catuogno ( Süddeutsche Zeitung) zeigt mit dem Finger auf Silvia Neid: „Auf die Bundestrainerin kann sich Prinz derzeit  nicht verlassen. Silvia Neid hat den `Fall Prinz` bisher ungeschickt, wenn nicht fahrlässig moderiert. Erst hat sie die Debatten laufen lassen, sie sogar befeuert mit Hinweisen auf die Halbwertszeit aller Verdienste. Dann hat sie die Gespräche mit ihrer Patientin in großer Runde ausgeplaudert. Der Birgit geht es schlecht. Die Birgit hat selbst gesagt, dass sie mental nicht in der Lage ist zu spielen. Es mag eine authentische Note haben, dass Neid so plaudert, mit Blick auf die Folgen ist es unprofessionell.“

Johannes Kopp ( taz.de) stellt der Bundestrainerin ein psychologisches Armutszeugnis aus: „Die 47-Jährige, der man in den vergangenen Tagen jedes einzelne Wort zu Birgit Prinz aus der Nase ziehen musste, wurde plötzlich vor der versammelten nationalen Presse ganz vertraulich. Sie erzählte: `Sie hat gesagt, dass sie momentan nicht von Anfang an spielen möchte, sondern höchstens eingewechselt werden möchte. Das zeigt doch, wie schlecht es der Birgit geht.` Aha. Ein Psychowrack also ist sie, die Birgit Prinz. Was Neid da vortrug, kam einer Beerdigung erster Klasse gleich. Die Rekordnationalspielerin darf während dieses Turniers, mit dem sie ihre internationale Karriere abschließen möchte, nach diesen Worten der Bundestrainerin wohl nur noch mit Kurzeinsätzen rechnen. Palliativmedizin für eine Altgediente, die vielleicht noch einmal unverhofft Kräfte mobilisieren kann. Es wäre am Dienstagabend ein Leichtes für Neid gewesen, Birgit Prinz mit dem Mantel des Schweigens ein wenig zu wärmen. Stattdessen stellte sie Prinz als psychisch instabil an den Pranger. Psychologisch fundierte Aufbauarbeit sieht anders aus.“

Klaus Wille ( derwesten.de) verbeugt sich vor der Rekordnationalspielerin: „Was an einem Abend voller Sieger nicht ausbleibt: Es gab mit Birgit Prinz auch eine Verliererin. Und um sie herum ein Stück Normalität. Dass Prinz sich gedanklich nicht in der Lage fühlte, von Beginn an zu spielen, ist ein bemerkenswerter Vorgang. Eine Rolle spielt die Persönlichkeitsstruktur der ein Jahrzehnt lang überragenden deutschen Spielerin, die oft bis an die Schmerzgrenze mit sich ins Gericht geht. Es ruft in Erinnerung, dass wir es im Moment – aller professionellen Betreuung und Vermarktung zum Trotz – mit Spielerinnen zu tun haben, die sich auf durchaus sympathische Weise von vielen abgebrühten männlichen Profis unterscheiden. Dazu gehört eben auch, öffentlichen Druck nicht lächelnd abperlen zu lassen.“