Wenig Liebe für die Wohltäter

8. Juli 2010: Die Fifa als Weltregierung auf Zeit

Roland Zorn (Frankfurter Allgemeine Zeitung) betrachtet noch einmal das Wirken des Weltverband und stellt fest, dass die Fifa auch bei dieser Weltmeisterschaft keinen Beliebtheitspreis abräumt: „Blatter wird gegen Ende der rund vierwöchigen Veranstaltung gewiss zurückfinden zum hohen Feiertagston, den er zum WM-Beginn am 11. Juni als Überbringer der panafrikanischen frohen Botschaften anschlug. Fürs erste aber mag ihm dämmern, dass er und seine mächtige Sportorganisation sich nicht einmal in Südafrika einer erkennbaren Popularität erfreuen. Viel mehr wird die von rund 600 Fifa-Mitarbeitern begleitete Südafrika-Expedition zusehends misstrauisch beäugt. Die Fifa, dieser Eindruck drängt sich auf, scheint für einen Monat die Oberhoheit über die Kaprepublik inne zu haben.

Tatsächlich ist die Regierung unter Präsident Jacob Zuma den Fifa-Forderungen weit entgegengekommen. So müssen die Fußball-Weltregenten und diejenigen, die von ihrem Geldsegen profitieren, für die Dauer ihres Aufenthaltes in den WM-Städten keine Mehrwertsteuer, keine Einkommensteuer und auch keine Zollgebühren bezahlen. Paradiesische Zustände in einem Land, in dem 40 Prozent der Bevölkerung am Tag mit weniger als zwei Euro über die Runden kommen müssen. (…)

Wie eine Weltregierung auf Zeit geriert sich die Fifa bei ihrem größten Ereignis, das Einnahmen von 3,2 Milliarden Dollar (2,35 Milliarden Euro) generiert. Der Eindruck zumindest wird in einer Fußball-Gesellschaft genährt, die allein um sich selbst kreist und dabei zuzeiten die Proportionen für die eigene Wichtigkeit zu verlieren droht. Die Welt der Fifa bleibt selbst bei ihrer Weltmesse groß und klein bis kleinlich zugleich – es geht nur um Fußball.“