Überfrachtet mit Erwartungen

9. Juni 2010: Nachhaltigkeit in Südafrika

Boris Herrmann beschäftigt sich in der  Berliner Zeitung mit den Erwartungen an die Großveranstaltung Fußball-WM, die, wie üblich, völlig überzogen seien: „Ginge es in Südafrika nur darum, ein schönes Fußballfest mit ein paar kulturbedingten Besonderheiten zu organisieren, müsste sich niemand Sorgen machen. Es soll aber, wie immer, um mehr gehen: um das gefühlte Ende der Apartheid, um den Kampf gegen Aids, Armut und Kinderarbeit, um Aufbauhilfe für den Tourismus. Das nennt sich dann Nachhaltigkeit.“

Die Aufladung mit solchen Verheißungen sei in Wahrheit jedoch nur „eine Legitimationshilfe der Fifa und angeschlossener Geschäftspartner, um ihre ohnehin überdimensionierte Veranstaltung noch gewaltiger und profitabler aufziehen zu können. Ist das Spektakel aber vorbei, und in den Nachhaltigkeitsprospekten sind Südafrikas Townships durch brasilianische Favelas ersetzt worden, dann wird man sich am Kap frustriert anschauen und feststellen, dass die Lebensbedingungen nicht viel besser geworden sind. Mag sein, dass die WM für ein Land wie Südafrika zu groß geworden ist. Das heißt aber nicht, dass sie dort nicht hingehörte. Das heißt, dass diese Fußball-WM eben wieder kleiner werden muss.“

Dass diese Idee an zuständiger Stelle aufgenommen wird, scheint jedoch aktuell ausgeschlossen, denn: „Finanziell ist die erste Fußball-WM auf afrikanischem Boden schon jetzt ein Erfolg – jedenfalls für die Fifa. Wie nebenbei liess Generalsekretär Jerôme Valcke in dieser Woche fallen, der internationale Dachverband werde sein Einkommen in Südafrika ‚um 50 Prozent gegenüber dem steigern, was wir 2006 in Deutschland erzielt haben‘. Damals nahm die Fifa 2,3 Milliarden Dollars ein, in Südafrika wird es eine Milliarde Dollar mehr sein“, schreibt Thomas Knemeyer ( Neue Zürcher Zeitung). „Das Geld werde in die Fußball-Entwicklungshilfe gesteckt, versprach Valcke einmal mehr. In Südafrika ist das leichter gesagt als getan. Die Korruption im Landesverband Safa ist legendär: Während die Verbandsbonzen steinreich werden, tut sich in den meisten Townships, den städtischen Ghettos der Schwarzen, herzlich wenig. (…) Hat man dort Hoffnung, dass es demnächst Fifa-Geld regnet? ‚Nur wenn sie das Geld direkt verteilen würde‘, antwortet der Coach Klaus, ein Apotheker, ‚denn der Lokalverband hier in Kapstadt, das sind Diebe, die stecken alles in die eigene Tasche.‘“