Traditions- und Retortenvereine

17. April 2013: Wissenschaftlicher Artikel zur Traditionserzählung im "modernen Fußball"

Die TSG 1899 Hoffenheim kämpft in der Bundesliga gerade um ihre Existenz. Seit 2008 spielt der so genannte 'Retortenverein' erstklassig und ist mindestens genau so lange Anfeindungen aus den Fanlagern der 'Traditionsvereine' ausgesetzt. Doch ist das heutige Modell Hoffenheim - dessen Erfolg entscheidend mit den großzügigen Zuwendungen Dietmar Hopps verbunden ist - überhaupt grundlegend von den lange etablierten Vereinen zu unterscheiden?

Florian Basel, wissenschafltlicher Mitarbeiter an der Geschichts- und Gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Eichstätt-Ingolstadt, formuliert in seinem Aufsatz Zweifel:

Das "Modell Hoffenheim" sei lediglich das Gesicht des "modernen Fußballs", also die logische Konsequenz der Professionalisierungs- und Kommerzialisierungs-Bewegung seit den 1980er Jahren. Anhänger wurden damit zu Kunden, die mit entsprechenden Marketingmaßnahmen an den jeweiligen Verein gebunden werden sollten. Ein solches Identifikationsangebot kann eine Traditionserzählung sein, die Teil der Vereinsmarke wird. Oder - in Ermangelung der passenden Geschichte - zum Beispiel die sportliche Repräsentation der Metropolregion Rhein-Neckar. 

Tradition und Moderne sind deshalb weniger Gegensätze, als vielmehr in direktem Zusammenhang miteinander zu sehen. Eben nicht "Tradition" GEGEN "Moderne", sondern "Tradition" WEGEN "Moderne".

Nachzulesen:
Basel, Florian (2013): Zum Problem von Traditionserzählung und Moderne im deutschen Fußball. Ein allgemeiner Blick unter besonderer Berücksichtigung der Rhein-Neckar-Region.
In: Von Freiheit, Solidarität und Subsidiarität – Staat und Gesellschaft der Moderne in Theorie und Praxis. Festschrift für Karsten Ruppert zum 65. Geburtstag, Beiträge zur Politischen Wissenschaft (BPW), Band 175, S. 177-205.  Verlagsinfo