Teure Postkartenmotive

9. Juli 2010: Südafrikas WM-Stadien als Geldschlucker

Für die WM hat Südafrika der Welt sechs neue und vier modernisierte Stadien präsentiert; die meisten davon werden nach dem Turnier nur noch Geldschlucker sein.

Kapstadts Green Point Stadium sollte als das Symbol dieser WM dienen und Afrikas Aufbruch in die Moderne verbildlichen, doch  Maik Rosner (Berliner Zeitung) blickt kritisch hinter die Kulissen: „Eine 420 Millionen Euro teure Werbeinstallation aus Beton, Glas und Stahl. Gebaut von südafrikanischen Bauarbeitern, deren Stundenlöhne bei 1,60 Euro begannen und von denen nun viele wieder beschäftigungslos sind. Bezahlen müssen das Green Point Stadium die südafrikanischen Steuerzahler. Und nicht ihr Land wird finanziell profitieren, sondern jene, die den teuersten aller zehn Standorte durchdrückten und, so empfinden es die Südafrikaner inzwischen, sie als Gastgeber bevormundeten.

Der Weltverband preist gerne das Vermächtnis dieser WM. Wie das im Falle der Stadien finanziert werden soll, ist vielerorts noch völlig unklar. Fifa-Chef Joseph Blatter, anfangs als Freund und Entwicklungshelfer Afrikas gefeiert, wird von Kommentatoren und Karikaturisten nur noch als Raffzahn beschrieben, der die WM zu zwei Zwecken in ihr Land brachte: zum Geldverdienen und um sich die afrikanischen Stimmen für seine Wiederwahl zu sichern. Offiziell haben die südafrikanischen Kommunen 1,36 Milliarden Euro in die sechs neuen und vier modernisierten Spielstätten gesteckt. Jetzt knirschen die Stadtkämmerer mit den Zähnen, wenn die Rechnungen für den laufenden Betrieb und die Instandhaltungskosten in die Amtsstuben flattern. Knapp drei Millionen Rand betrug im Green Point Stadium die Stromrechnung für die Monate September 2009 bis März 2010, umgerechnet etwa 280 000 Euro. Durch die WM dürfte die nächste Stromrechnung um einiges höher ausfallen.“