Scheinheilige Debatte oder Nachwuchshandel?

16. Januar 2012: 13-jährige Talente folgen den Lockrufen der Bundesliga

Zwei 13-jährige Talente aus Berlin und Hamburg folgen den Lockungen der Bundesliga und wechseln aus der elterlichen Obhut nach Hoffenheim und Wolfsburg. Die Presse schwankt zwischen erhobenem Zeigefinger und Verständnis.

Michael Horeni ( Frankfurter Allgemeine Zeitung) warnt vor einer gefährlichen Entwicklung: „Es ist keine Seltenheit, wenn ein halbes Dutzend Klubs an diesen hochbegabten Kindern dranhängt. Ein sogenanntes Gentlemen‘s Agreement, das bis vor wenigen Jahren in der Bundesliga bestand, und Wechsel von Jugendlichen erst im höheren Alter gestattete, haben die Klubs unter dem Konkurrenzdruck längst aufgegeben. Auch bei den Kleinsten machen die unregulierten Kräfte des Marktes nicht Halt. In der Bundesliga sind Transfers in diesem Alter zwar noch nicht alltäglich, aber derzeit spricht nicht viel dafür, dass es dabei bleibt. Verbände und Klubs sehen beim Nachwuchshandel ihre Hände gebunden, aber sie sind es, die mit der Einrichtung der so erfolgreichen Nachwuchszentren vor gut zehn Jahren eine Entwicklung in Gang gesetzt haben, die eine beständige Nachfrage nach Talenten geradezu verlangt.“

Christian Paul ( Spiegel Online) hält dagegen: „Seit Jahren wird im Fußball um die besten Talente gekämpft. Die Geschichte Lionel Messis, der als 13-Jähriger von den Scouts des FC Barcelona in Argentinien entdeckt und verpflichtet worden war, kennt jeder. Die Teams in England oder Italien arbeiten ähnlich. Auch auf Trainingsplätzen deutscher Jugendmannschaften gehören Talentespäher längst dazu. Hoffenheim und Wolfsburg haben mit ihrer Personalpolitik eine absurde Diskussion ausgelöst. Der Kampf um den Nachwuchs ist weder neu noch verwerflich. Er ist das Ergebnis professioneller Jugendarbeit.

"Dann schnappen uns die anderen die Talente weg"
Peter Wenninger ist seit 2004 Jugendtrainer beim FC Bayern, derzeit trainiert er die U-14-Auswahl. Im Interview mit der  Süddeutschen Zeitung spricht er über die Verpflichtung von 13-Jährigen, das Scouting der Münchner und den schädlichen Einfluss der Berater auf die Jugendspieler.