Schalke sucht den neuen Klopp

9. März 2011: Das Ende der Ära Magath

Mal wieder endet auf Schalke eine Ära, bevor sie begonnen hat. Der Blick auf das Erfolgsmodell Klopp schmerzt, ist aber auch eine Chance für einen wirklichen Umbruch. Ein Kommentar von Matthias Nedoklan vom  indirekten freistoss: „Gestartet ist Felix Magath auf Schalke als ein Messias mit einer eindrucksvollen Vita. Den fast ruinierten VfB Stuttgart führte er mit jungen Spielern wie Kevin Kuranyi und Alexander Hleb in die Champions League, holte mit Bayern zwei Mal das Double und führte den VfL Wolfsburg aus dem Nichts zur Meisterschaft. Magath versprach dem Verein, immerhin seit 52 Jahren ohne Meistertitel die begehrte Schale – innerhalb seiner vierjährigen Vertragslaufzeit.

Und so glaubten alle an den, mal als liebevoll knurrigen, mal als eiskalt berechnend beschriebenen Fußball-Lehrer. Und Magath gelang alles. Sein erstes Spiel mit Schalke in der Bundesliga gewann er mit zwei Treffern des als Chancentod beschriebenen Kevin Kuranyi. Und schon nach dem 2. Spieltag und einem 3:0-Heimsieg gegen Bochum stand Schalke auf dem ersten Platz – die Euphorie war grenzenlos. Junge Wilde wie Joel Matip, Christoph Moritz und Lukas Schmitz wurden eingesetzt und zeigten überzeugende Leistungen. Bis zum vorletzten Spieltag träumte man in Schalke berechtigt von der Meisterschaft, am Ende triumphierten jedoch die Bayern.

Magath braucht keine Liebe
Im Sommer waren erste Risse in der Beziehung zu vernehmen, der Boulevard schrieb von einem kurzen Flirt mit der Leipziger Niederlassung des Red Bull Imperiums. Ohne Rücksicht auf die empfindliche Fan-Seele verpflichtete Magath Christoph Metzelder. Der hatte 2007, als Dortmund den Schalkern die sicher geglaubte Meisterschaft verdarb, noch über Schalke gespottet. Die Fans, so die klare Botschaft von Magath, seien ihm egal. Drohten die Anhänger mit Liebesentzug, antwortete Magath wie der Fuchs, dem in der Fabel die Trauben zu hoch hingen. Er brauche keine Liebe.

Und ohne Kuranyi, ohne Bordon, ohne Westermann, ohne Rafinha hagelte es für Schalke Niederlagen. In der Bundesliga 2010/11, so kann man getrost bilanzieren, kam der S04 nie in Tritt. Im Pokal steht man, nicht überzeugend aber immerhin, im Finale, in der Champions League winkt das Viertelfinale. Magath wird das nicht mehr retten. Ein Trainer und Manager, der sich so stark mit Mitarbeiter anlegt wie Magath, hat im Misserfolg keinen Kredit. Spätestens am Saisonende soll die Ära Magath, die in Wirklichkeit nicht mal zwei Jahre dauerte, wieder vorbei sein.

Dortmund hatte Geduld und wurde belohnt
Gesucht wird ein Typ „Klopp“ – jung, emotional, begeisternd. Dabei übersieht der Vorstand, dass eben dieser Klopp zu haben gewesen wäre. 2008 deutete der künftige Meistertrainer seinen Abschied aus Mainz an, Dortmund und Schalke waren nach Thomas Doll und Mirko Slomka auf der Suche nach einem Cheftrainer. Doch Schalke wollte das Saisonfinale der 2. Liga nicht abwarten und präsentierte Fred Rutten als neuen Cheftrainer. Dortmund wird nach drei Jahren mit eben diesem Typ Klopp im Sommer Deutscher Meister. Und Schalke ist wieder auf der Suche.“