Rückblick auf 2 unvergessliche Wochen

30. Juli 2012: Fazit der Gehörlosen-WM in Ankara

Abschied am Flughafen

Axel Brügmann von  filmblau° Produktion berichtet vom 29. Juli 2012:

Gegen 13.00 Uhr treffen wir uns in der Hotellobby. Wir verabschieden uns von den Hotelangestellten und der Dame vom türkischen Organsationsteam. Dann geht es mit dem Bus zum Flughafen nach Ankara. Nach dem Einchecken spricht Frank Zürn noch einmal vor der Mannschaft. Er bedankt sich bei allen für den Einsatz und ihr Engagement bei der Weltmeisterschaft 2012 in Ankara. Er bittet die Spieler, auch in der Pause bis zum nächsten Länderspiel gegen Irland in Hannover, weiter an sich zu arbeiten und sich nicht auf dem Erreichten auszuruhen. Die Qualifikation für die Deaflympics 2013 in Sofia steht im September in Hannover auf dem Spiel. Die Iren sind ein starkes Team und die deutsche Mannschaft wird einen guten Tag benötigen, um sie zu schlagen.

In München trennen sich dann die Wege der Spieler. Ein Teil fährt mit dem Zug weiter nach Karlsruhe, Ingolstadt und Stuttgart. Andere fliegen weiter in den Westen Deutschlands nach Düsseldorf und in den Osten nach Dresden. Auch für uns heißt es Abschied nehmen. Die Tage mit der deutschen Gehörlosen Nationalmannschaft waren eine intensive und aufregende Zeit. Wir durften eintauchen in eine Welt, die uns anfangs unbekannt und fremd erschien. Nach kürzester Zeit waren wir voll in das Team integriert, erlebten hautnah die Spiele, freuten uns mit den Jungs nach den Siegen und litten mit Ihnen bei der bitteren Niederlage gegen Ägypten.

Soviele unterschiedliche Charaktere in einer Welt, die ohne eines unserer wichtigsten Sinnesorgane auskommen muss. Vielleicht gerade deswegen erscheint mir die Kommunikation in der Gehörlosenwelt intensiver und emotionaler. Der Respekt dieser Menschen untereinander scheint mir ausgeprägter als in unserer Welt der Hörenden. In den letzten beiden Wochen waren wir zu Gast in einer Gruppe, deren Sprache wir nicht sprechen. Trotzdem hatte ich nie das Gefühl, ausgeschlossen zu sein oder mich nicht verständigen zu können. Denn die Gehörlosen können von meinen Lippen ablesen und sich durch Gebärden ausdrücken. Dennoch kann ich jetzt nachvollziehen, was es für diese Menschen bedeuten muss, im täglichen Leben vom Großteil der Mitmenschen nicht verstanden zu werden, sich nicht mitteilen zu können. Ich glaube, das ist einer der Gründe für die ausgeprägte Kommunikation und die große Freude im Umgang miteinander.

Morgen beginnt auch wieder mein Alltag. Ich freue mich, wieder nach Hause zu
kommen. Andererseits werde ich dieses Team vermissen. Die andauernden Späße, die Gebärdensprache und Mimik der Spieler. Das Gefühl, in einer großen Familie eingebunden zu sein. Die gemeinsamen sportlichen Erlebnisse. Ab morgen werden wir mit dem Schnitt beginnen. Wir haben jede Menge Material
gedreht, jetzt gilt es die Bilder in einen Film zu verwanden, der dieser Mannschaft gerecht wird und ihre Geschichte erzählt. Ich freue mich jetzt schon darauf, alle Jungs bei der Premiere wieder zu sehen und gemeinsam im Kino zu sitzen. Vielleicht kann der Film ein wenig dazu beitragen, dieser Mannschaft ein wenig mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung in der Öffentlichkeit zu verschaffen. Denn das ist schon lange überfällig und das haben sich die Jungs redlich verdient.

Weitere Berichte von Axel Brügmann über die Dreharbeiten während der Gehörlosen WM 2012 finden Sie hier