Null zu Zehn

26. Oktober 2010: Historische Niederlage für Rotterdam

Nach Ansicht der Presse ist die höchste Vereinsniederlage von Feyenoord Rotterdam im Spiel gegen den PSV Eindhoven die Folge jahrelanger Misswirtschaft.

Thomas Burmeister ( Financial Times Deutschland) beschäftigt sich mit der Stimmungslage beider Fanseiten nach dem Spiel: „Größer als die Wut der Fans war nur noch ihre Traurigkeit. Am Morgen nach dem irrwitzigen 0:10 von Feyenoord Rotterdam gegen den PSV Eindhoven, den zweiten Erzrivalen neben Ajax Amsterdam, waren die Anhänger des niederländischen Fußball- Traditionsclubs noch immer fassungslos. In ihren leuchtend gelben Auswärtstrikots hätten die zumeist recht jungen Feyenoorder `mitleiderregend` gespielt, wie `Trottel in Gelb`. Zweistellig hatte der Club noch nie verloren. Und selbst das bislang als schlimmste Niederlage geführte Spiel vom 18. September 1983 war nicht so demütigend. Damals kassierte Feyenoord von Ajax acht Tore, schoss aber zur Ehrenrettung wenigstens zwei. Ganz anders die Stimmung im 110 Straßenkilometer von Rotterdam entfernten Eindhoven. Fans des 1913 von Mitarbeitern des Weltkonzerns Philips gegründeten Clubs feierten die ganze Nacht. Der Triumph war zwar bereits der dritte 10:0-Sieg in der PSV-Vereinsgeschichte, aber er war durchaus sensationeller als die beiden ersten – 1973 gegen die Go Ahead Eagles und 1998 gegen den FC Volendam.“

Reinhard Sogl ( Frankfurter Rundschau) wundert sich nicht, dass die Verantwortlichen dennoch an Trainer Mario Been festhalten wollen: „Feyenoord hat ja eigentlich auch gar keine andere Wahl, als am notgedrungen eingeschlagenen Kurs festzuhalten, der da lautet: Jugendstil. 50 Millionen Euro Schulden lasten auf dem Klub, auf dessen Gehaltsliste früher so wohlklingende Namen wie Ruud Gullit, Dirk Kuyt, in der Saison 1983 auch Johan Cruyff standen. In der vergangenen Saison beschäftigte der 14-malige niederländische Meister immerhin noch Nationalmannschaftskapitän Giovanni van Bronckhorst und Torjäger Roy Makaay. Jetzt müssen es Talente wie der hoch veranlagte Jonathan de Guzman richten, die noch in der Kabine in Eindhoven den zum Rücktritt bereiten Mario Been zum Bleiben aufforderten.“

Auch für Bertram Job (Süddeutsche Zeitung) trägt die Vergangenheit Schuld an der Gegenwart: „Immer ein bisschen der Gernegross und nie um einen teuren Transfer verlegen: In diesem Stil hat sich Feyenoord, getrieben von der Sehnsucht, so schnell wie möglich wieder hochzukommen, tief nach unten gezogen. 40 bis 50 Millionen Euro soll der Schuldenstand in der ersten Saison nach dem Weggang der Helden von einst, von Roy Makaay und Giovanni van Bronckhorst, betragen. Deshalb wurde der 14-malige Landesmeister vom niederländischen Verband in die erste Kategorie einer Krisenregelung eingestuft. Jede Ausgabe über 50000 Euro muss er beim Verband zur Genehmigung vorlegen. Um dieser eisernen Umarmung zu entgehen, sollen bis zu 49 Prozent der Anteile des Klubs verkauft werden – das könnte zumindest 20 Millionen Euro in die Kassen spülen. Bis dahin aber muss gespart werden, und das bekommt vor allem der Trainer zu spüren.“