Nie wieder Marktl am Inn

27. September 2011: Kolumne von Christoph Ruf

In seiner Kolumne “Press-Schlag“ bei  taz.de befasst sich Christoph Ruf  mit Outings und Burn-Out und kritisiert seinen Berufsstand: „Wenn ein Spieler, Trainer oder Funktionär von der unter Volldampf stehenden Maschine Bundesliga herabspringt und wenig später Worte wie ’Vegetatives Erschöpfungssyndrom’, ’Depression ’ oder ’Homosexualität ’ herumwabern, dauert es nicht lange, bis die Interpretationsschablone frei Haus geliefert wird: Dem Ausgebrannten, dem Niedergeschlagenen oder dem Schwulen gebührt höchster Respekt, weil er damit an ein ’Tabuthema’ gerührt habe. Was ein Tabu ist, bestimmen aber wir Journalisten. Über das, was angeblich tabuisiert ist, plaudern wir jeden Tag ein paar Stunden. Die Deutungshoheit liegt oft bei Menschen, die sich selbst für ungeheuer aufgeklärt halten, dann doch über das ’Weichei’ lästern, das nicht jeden Tag den Ellenbogen ausfährt. Doch die Gesellschaft scheint da längst weiter zu sein als ihre Interpreten.“