Neues Deutschland

29. Juni 2010: Integrationsmaschine Fußball

Was das neue Staatsbürgerrecht mit dem Erfolg der deutschen Nationalmannschaft zu tun hat, erklärt  Stefan Osterhaus (Neue Zürcher Zeitung) und erinnert an eine „bemerkenswerte Szene“ im Wahlkampf 1998. Manfred Kanther, der CDU-Innenminister, und Otto Schily, der bald darauf für die SPD das Amt übernehmen sollte, standen sich im TV-Duell gegenüber.

„Schily warb für eine Reform des Staatsbürgerschaftsrechts, die die Einbürgerung erleichtern sollte. Er beschied Kanther: ‚Wenn Sie das tun, dann können wir auch wieder Fußballweltmeister werden.’“ So wie Frankreich „mit einer multiethnischen Equipe um Zinedine Zidane“ wenige Monate zuvor.

2010 sind 11 von 23 deutschen Nationalspielern sogenannte Secondos. Ob der Fußball die Integration tatsächlich erleichtert? Die zwiespältige Antwort lässt Osterhaus den Soziologen Gerd Dembowski geben: „Fußball ist die Integrations-Maschine, das impliziert so ein bisschen, wir werfen da einen Ball rein, und alles ist gut. Aber so ist es nicht, weil jeder Mensch eine andere Geschichte mit an den Ball bringt.“